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      Tourismus in Zeiten der Krise:
      Kann man in Griechenland noch Urlaub machen?

      Die Griechen kämpfen gegen den Staatsbankrott. Ist das der richtige Zeitpunkt für Hellas-Ferien? stern.de hat sich bei Veranstaltern umgehört. Das erfreuliche Resultat: Der Urlaub in Griechenland wird billiger. Von Till Bartels

      Die Horrormeldungen über Hellas häufen sich: Dem Land droht wegen der immensen Schuldenlast ein Staatsbankrott. Die Organisation Transparency International sieht in der weit verbreiteten Korruption den Auslöser der Griechenland-Krise. Und die Website des Auswärtigen Amtes in Berlin rät unter ihren Reise- und Sicherheitshinweisen, Griechenland-Urlauber sollen Demonstrationen in den größeren Städten Griechenlands meiden.

      Die Nachrichten lösen bei vielen Menschen Unsicherheit aus, die gerade ihre Sommerferien planen. Griechenland gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen am Mittelmeer. Nach Angaben des Auswärtigen Amts besuchten im Jahr 2007 etwa 17,5 Millionen Touristen Griechenland, darunter 2,3 Millionen Deutsche.

      Preissenkungen auf breiter Front

      "In Griechenland gibt es kein Problem", sagt Ilias Galanos, der Direktor der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in Frankfurt. Im Gespräch mit stern.de beklagt er die negative Berichterstattung über sein Land. Einen Zusammenhang zwischen der Finanzkrise in Griechenland und einem rückläufigen Buchungstrend sieht er nicht. "Negativ ist das, was die Zeitungen schreiben", wie die Griechen angeblich den Euro kaputt machen, beklagt Galanos. Für das Mittelmeerland sind Urlauber aus der Bundesrepublik die wichtigsten Besucher. "Wir möchten, dass Deutschland der stärkste Markt bleibt."

      Das könnte sich bald ändern. "Insgesamt liegt Griechenland unter dem Stand des Jahres 2009", sagt die für das Land zuständige Sprecherin der Tui in Hannover. Das Unternehmen ist europaweit der größte Reiseanbieter. Für Tui zählt Griechenland zu den "wichtigsten, größten und volumenstärksten Zielen". Das Land nehme bei den Buchungen hinter Spanien, Deutschland und der Türkei Platz vier ein.

      Als Buchungsanreiz sind bei Tui in diesem Jahr die Preise für Griechenland um 6,5 Prozent günstiger geworden. Auch Attika Reisen hat seine Preise im Vergleich zum Vorjahr gesenkt. Der Geschäftsführer des auf Griechenland spezialisierten Veranstalters stellt für den Sommer eine andere Entwicklung fest: "Wir merken alles andere als Zurückhaltung", sagt Michael Karavás. "Wir verzeichnen einen Zuwachs von zehn Prozent an Passagieren."
      Tourismusfirmen sind in privater Hand

      Ein Staatsbankrott mag zwar Urlaubspläne beeinflussen, verängstigt aber weniger die Feriengäste am Pool auf Kreta. Eher wird es den griechischen Beamten treffen. Denn bei Zahlungsunfähigkeit erhalten Staatsdiener wie Lehrer kein Gehalt mehr und Ruheständler keine Pension. Die Tourismusindustrie dagegen ist privatwirtschaftlich organisiert, von den Fluglinien und Fähren über das Hotel bis zum Busunternehmen, das die Gäste vom Flughafen zum Ferienclub transportiert. "Die Kunden wissen die Situation gut einzuschätzen", sagt ein Sprecher des Deutschen Reisebüroverbandes (DRV). Hotels seien schließlich keine staatlichen Betriebe, die von einem Bankrott betroffen wären. Erfahrung, was passiert, wenn ein Urlaubsland pleitegeht, habe die Reisebranche noch nicht sammeln können.

      Für den Fall der Insolvenz einer Fluggesellschaft oder eines Hotels sind Urlauber, wenn sie eine Pauschalreise gebucht haben, durch den Reisesicherungsschein geschützt. Auch kümmert sich der Veranstalter um weitere Übernachtungen oder einen anderen Flug, wenn es durch einen Generalstreik zu Verzögerungen kommt. Mit diesem Szenario und Protesten, die Gewerkschaften gegen die Sparmaßnahmen der Regierung organisieren, müssen Urlaubs- und Geschäftsreisende rechnen. Am 28. Januar und 24. Februar diesen Jahres kam bereits der Flugverkehr von und nach Griechenland durch einen Ausstand der Fluglotsen für jeweils einen Tag komplett zum Erliegen.
      Zu wenig All-inclusive-Angebote

      Dass der Griechenland-Tourismus in diesem Jahr schwächelt, liegt weniger an der Finanzkrise, sondern am Trend zum All-inclusive-Urlaub, der sich schon 2009 abzeichnete. "Die Deutschen achten im Urlaub auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis", sagt der Sprecher vom DRV. Länder wie die Türkei, die diese Urlaubsform anbieten und neue Hotelanlagen im Programm haben, werden bevorzugt. Griechenland gehöre neben Spanien und Italien zu den Zielen, die sich auf das neue Urlaubsbedürfnis noch nicht genügend eingestellt haben. Die Türkei und Ägypten gehörten im letzten Jahr zu den Gewinnern. Mit weiteren Streik- und Protestankündigungen könnte Griechenland die Tendenz anheizen, in den Ferien auf andere Mittelmeerländer auszuweichen.

      Für den Reisenden hat die Hellas-Krise auch einen Vorteil. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es bei andauernden Unruhen zu einem Preisverfall im Markt kommt. "Bei den Leuten in Griechenland ist es längst angekommen, dass es ein kritisches Jahr für den Tourismus wird", sagt Michael Karavás. In der kommenden Woche werden Reiseveranstalter auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin mit Hoteliers über Preisnachlässe verhandeln. Der Urlaub in Griechenland könnte in diesem Sommer noch günstiger werden – und die Helenen dürften sich über jeden Euro freuen, den Touristen nach Athen tragen.

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