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      Ikonenschau des Kunsthistorischen Museums

      Kulturjournal – Wolfgang Popp

      Die Schau "Der Glanz des Himmels" ist ab Dienstag in der Alten Geistlichen Schatzkammer, einem Sonderausstellungsraum des Kunsthistorischen Museums zu sehen. Gezeigt werden griechische Ikonen der Sammlung Velimezis. Von der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 bis ins frühe 19. Jahrhundert werden damit fast 400 Jahre kirchlicher griechischer Kunst abgedeckt. Das Glanzstück der Sammlung stellt dabei eine Passion Christi dar, die erst kürzlich als Frühwerk El Grecos identifiziert wurde.

      Schüler Tizians

      Knapp fünfzig Ikonen umfasst die Ausstellung; die meisten von ihnen stammen aus Kreta – so auch das Prunkstück: eine Passion Christi – Pietà mit drei Engeln von Domenikos Theotokopoulos, der später als El Greco Berühmtheit erlangen sollte. Ende 20 war er gerade, als er seine Heimat Kreta für immer verließ und zuerst in Italien, später in Spanien tätig wurde. Als Schüler Tizians fand man ihn in Venedig. Bestimmend für seinen Stil wurden Michelangelo und Tintoretto. Den Höhepunkt seines Schaffens erreichte er später im spanischen Toledo.

      Über seine frühe Entwicklung war bislang nur wenig bekannt, bis Nano Chatzidakis, Kuratorin der Ausstellung, vor wenigen Jahren diese Pietà als sein Werk identifizieren konnte: "Diese Arbeit ist ganz zentral, um die künstlerische Entwicklung El Grecos zu verstehen. Gerade in seiner frühen Periode auf Kreta hat er einen ganz persönlichen Stil entwickelt, der sich stark von dem anderer Ikonenmaler unterschieden hat. Er verwendet zwar auch die damals übliche Technik, malt also auf Gold belegtem Holz und benutzt auch die gleiche Palette an Farben, aber wie er sie benutzt, wie er mit ihnen etwa den Körper Christi modelliert, zeigt seine ganz eigenständige Handschrift."

      Früh eigene Wege

      Anders als bei den anderen Ikonen mit ihrer ganz flachen Figurenzeichnung findet sich hier eine sehr plastische Körperdarstellung des toten Christus. Und auch die ekstatischen Gesichter der drei Engel stechen inmitten der sehr gemessenen Physiognomien, wie man sie auf den anderen Ikonen findet, hervor. Wo Ikonenmalerei traditionell als religiöses Handwerk und nicht als Kunstform gesehen und auf individuelle schöpferische Ausdrucksweise des Malers kein Wert gelegt wurde, versuchte El Greco schon früh seinen eigenen Weg zu finden.

      El Greco ließ sich dabei nachhaltig von der westeuropäischen Malerei beeinflussen, die damals bereits einen ganz anderen Weg genommen hatte. Nano Chatzidakis meint dazu: "Mit dem Einsetzen der Renaissance entwickelten sich die Heiligendarstellungen der weströmischen und der orthodoxen Kirche stark auseinander. Im Westen hatten sich mit der Überwindung des Mittelalters die Sicht auf die Welt und die Darstellungsweisen in der Malerei drastisch verändert. So wurde etwa die Perspektive erfunden, und man bemühte sich auch um eine möglichst naturalistische Figurenzeichnung – zwei Entwicklungen, die die orthodoxe Ikonenmalerei nicht mitmachte."

      Himmelsfarbe Gold

      Zu diesen ganz traditionellen, dadurch aber nicht weniger prächtigen Ikonen zählt eine Darstellung der Gottesmutter Hodegetria, entstanden knapp nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen. Der Hintergrund ist in Gold gehalten – einer Farbe, die den Himmel symbolisiert. Das Gesicht der Gottesmutter ist halbfrontal, ihre Augen starren den Betrachter an und sollen so eine direkte Verbindung zwischen dem Gläubigen und der Heiligen ermöglichen.

      DER GLANZ DES HIMMELS
      Griechische Ikonen der Sammlung Velimezis
      Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums in Kooperation mit dem
      Benaki Museum Athen und der Griechischen Kulturstiftung Berlin
      13. Dezember 2006 bis 25. Februar 2007
      Alte Geistliche Schatzkammer, Schweizerhof
      Hofburg, 1010 Wien

      >> Link zum KHM

      >> Quelle

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