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Griechen reißen sich um deutsche Luxusautos
Kaufrausch in der Krise: Steuersenkungen helfen vor allem Premium-Herstellern.
Vor einigen Wochen kostete ein Mercedes S 350 in Griechenland noch 117.100 Euro. Jetzt gibt es den gleichen Wagen für 85.400 Euro. Ersparnis: 31.700 Euro. Dafür kann man der Familie zusätzlich eine C-Klasse spendieren.
In Griechenland boomt die Nachfrage nach Luxusautos – Kaufrausch mitten in der Krise. Denn die Athener Regierung kurbelt den Neuwagenabsatz mit Steuersenkungen an. Die in Griechenland beim Kauf eines Neuwagens fälligen Sonderabgaben wurden Anfang April auf die Hälfte reduziert. Bei einem Auto mit zwei Litern Hubraum macht die Ersparnis rund 4500 Euro aus. Zusätzlich geben Importeure jetzt Rabatte von bis zu 20 Prozent. Drastisch verbilligt haben sich dadurch vor allem Autos der Ober- und Luxusklasse, die bisher besonders hoch besteuert wurden. Hier kann die Steuerersparnis bis zu 18.800 Euro ausmachen. Kleinwagen dagegen, für die ohnehin nur geringe Steuern fällig waren, sind kaum billiger geworden: die Ersparnis beträgt nur etwa 350 Euro.
Von den Steuersenkungen profitieren vor allem Hersteller wie Mercedes, BMW, Audi und Porsche. „Wir hatten im ersten Quartal wegen der Krise einen Rückgang der Verkäufe um 45 Prozent”, berichtet ein Athener Mercedes-Händler. „Im April dagegen haben wir 40 Prozent mehr Fahrzeuge abgesetzt als im vergleichbaren Vorjahresmonat.” Auch Geländewagen gehen gut: ein Jeep Cherokee verbilligt sich durch die niedrigere Steuer um 5000 Euro. Den gleichen Betrag gewährt der Händler noch einmal als Rabatt. Dadurch hat sich der Verkaufspreis von 29.000 Euro reduziert.
Die Nachfrage nach Neuwagen ist auch deshalb groß, weil viele Griechen überalterte Autos fahren: das Durchschnittsalter liegt bei 11,2 Jahren, gegenüber 6,5 Jahren in der Rest-EU. Griechenland hat zwar keine eigene Automobil- oder Zulieferindustrie. Aber am Kfz-Handel hängen rund 120.000 Arbeitsplätze. Die hofft die Regierung mit den Steuererleichterungen zu sichern. Sie gelten noch bis 7. August. Die Autofahrer, die jetzt günstig zu einer Luxuslimousine, einem Sportcoupé oder Geländewagen kommen, müssen sich allerdings darauf gefasst machen, schon bald an anderer Stelle zur Kasse gebeten zu werden. Weil im Staatshaushalt ein immer größeres Loch klafft, erwägt der griechische Finanzminister jetzt unter anderem eine Erhöhung der Mineralölsteuer.
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