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      Sonnenkollektoren als Halbkugel
      Vom 11.07.2007

      STADECKEN-ELSHEIM (dpa) Stolz blickt Jannis Stefanakis auf das Gewirr aus Halbkugeln, Schläuchen und Fässern, das auf dem Flachdach seines Geschäftshauses aufgebaut ist. Der 59-Jährige aus Stadecken-Elsheim bei Mainz entwickelt Apparaturen zur Nutzung der Sonnenwärme. Seine Sonnenkollektoren haben eine Besonderheit: Die Geräte, mit denen Wasser erwärmt werden soll, sind nicht flach, sondern halbkugelförmig. Der Wirkungsgrad dieser Form sei größer, sagt der Maschinenbauingenieur. Er forscht schon jahrzehntelang an Kollektoren – dank einer neuen Erfindung sieht er sich nun aber am Ziel: Ein spezielles Kunststoffgewebe, das nach dem Prinzip des Eisbärfells Wärme speichern kann, soll die Wirkung seiner Apparaturen kräftig steigern und ihnen damit endgültig zum Durchbruch verhelfen.

      Die Forschungen des Solar-Pioniers, der gebürtig von der griechischen Insel Kreta stammt, beschränken sich aber nicht auf Kollektoren. Auch eine „Herzpumpe“, die das Blut bei Operationen ohne Schleuderkraft schonend transportieren soll, und einen Grill, der von den Seiten her heizt, hat er entwickelt. Insgesamt 34 Patente und Gebrauchsmuster hat er nach eigenen Angaben bislang angemeldet. „Die Erfinder erfinden immer wieder, das ist eine Krankheit“, sagt der kräftige grauhaarige Mann mit ruhiger Stimme. Seine Patentunterlagen füllen sechs Ordner, die im Regal seines kleinen Büros stehen. Reich hat ihn bislang keine Erfindung gemacht. „Aber ich lebe sehr glücklich, und mir genügt das“, sagt der verheiratete Vater zweier Söhne, der neben der 1976 gegründeten Firma SolarEnergie Stefanakis auch eine Importfirma für kretische Lebensmittel betreibt.

      Der aus einem Ort bei Knossos stammende Sohn eines Bürgermeisters und Landwirts war 1966 zum Studium nach Stuttgart gekommen und hatte sich schon früh für die Nutzung der Sonnenenergie interessiert. Und obwohl er nach dem Studium vieles tat – etwa auf Kreta eine Abfüllanlage für Cola mitplante – blieb er der Solartechnik treu. „Ich war immer überzeugt, dass man die Sonne irgendwie packen könnte“, sagt er. 1974 entwickelte er zu diesem Zweck einen Kollektor in Kugelform – weil er flache Kollektoren für unpraktisch hielt. Weil die Sonne wandere, könnten diese nur einen Teil der eingestrahlten Energie nutzen – weniger als die allzeit der Sonne zugewandte Kugel, erklärt er.

      Doch es gab Rückschläge: Die Wärmeverluste der Kugel in der Nacht waren zu groß, die Oberfläche strahlte in alle Richtungen ab. Zwei Konkurrenten, ein Russe und ein Franzose, hätten trotzdem auf die Kugel gesetzt und sie vermarkten wollen. „Ein tödlicher Fehler“, sagt Stefanakis. „Man darf nicht aufgeben.“ Er setzte auf halbkugelförmige Kollektoren – das Vorbild der Schale sah er vor einer Fleischfabrik in Holland. Er baute die Halbkugel aus Edelstahl und entwickelte eine Plexiglasabdeckung. Er experimentierte mit Rohren und Schläuchen, in denen das Wasser von der Sonne erwärmt wird, und bekam Probleme mit dem Druck, die er mit einem Ventil und anderer Schweißtechnik löste. „Bis das entwickelt war, da waren schon 16 Jahre rum“, sagt er.

      Weil es manche Teile nicht gab, baute er eigens Maschinen dafür, die heute noch in seiner Werkstatt stehen. Inzwischen bietet die Firma diverse Kollektoren an. Einer davon, der „Rohrabsorber“, kann nach Stefanakis Angaben bei mittlerer Sonnenstrahlung 1200 Liter Wasser am Tag um 7 Grad erwärmen. Das Unternehmen verkaufe drei bis vier Anlagen pro Monat, der Preis beginnt bei 4500 Euro, sagt er.

      Stefanakis wollte den Wirkungsgrad und die Anwendungsmöglichkeiten seiner Kollektoren jedoch weiter verbessern und wandte sich deshalb an das Institut für Textil- und Verfahrenstechnik in Denkendorf (Kreis Esslingen). Dieses sollte in seinem Auftrag eine flexible und formbare transparente Wärmedämmung entwickeln. Instituts-Forscher Thomas Stegmaier kam nach eigenen Angaben auf die Idee, den Eisbären als biologisches Vorbild zu nehmen. Basis der technischen Umsetzung ist nun ein Gespinst aus Polyesterfasern, das mit Silikonfolie beschichtet wird – um so das isolierende Fell des Bären nachzuahmen. Für die Entwicklung erhielten beide 2006 den „Prof.-Adalbert-Seifritz-Preis für Technologietransfer im Handwerk“, der unter anderem vom „handwerk magazin“ vergeben wird.

      Stefanakis schreibt dem Stoff große Fähigkeiten zu. Wenn ein Kollektor damit umspannt werde, könne er die Wärme besser speichern, sagt er. „Das blockt den Verlust in der Nacht.“ Ein mobiler Einsatz – etwa im Katastrophenschutz – sei denkbar. Das beschichtete Gewirke könne auch für die Wasserentsalzung und als Dämmstoff für Gebäude eingesetzt werden. 85 Prozent der Energie blieben damit erhalten. Er sucht nun Partner, die den Stoff industriell produzieren.

      Internet: http://www.solarenergie-stefanakis.de

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