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Griechenland: Chaos um Arzt- und Apothekerhonorare
Rund zwei Millionen Staatsbedienstete und Pensionäre in Griechenland müssen von diesem Montag an ihre Arzt- und Apotkekenrechnungen selbst bezahlen. Erst anschließend können sie bei der staatlichen Krankenversicherung die Rückerstattung beantragen. Die Neuregelung, die von den Kammern der Ärzte und Apotheker beschlossen wurde, stieß auf massive Proteste und Empörung. Vor den Büros der Versicherung bildeten sich umgehend lange Warteschlangen. «Ich habe 40 Jahre für diesen Staat gearbeitet, und nun werde ich im hohen Alter so behandelt», klagte Nafsika Pantelia, eine 73 Jahre alte Rentnerin, im Rundfunk.
Presseberichten zufolge ist das Problem auf die «chaotische Bürokratie» im Gesundheitsministerium zurückzuführen. Ärzte und Apotheker hätten seit Monaten keine Honorare aus der staatlichen Krankenkasse erhalten und deshalb entschieden, die Patienten selbst zur Kasse zu bitten. «Es reicht! Der Staat schuldet uns mehr als 250 Millionen Euro», sagte der Präsident des Verbandes der griechischen Apotheker, Konstantinos Lourantos. «Wir haben seit Januar keinen Cent vom griechischen Staat bekommen», sagte auch ein Ärztevertreter.
Griechenland – Krankes System
VON GERD HÖHLERWer in Griechenland krank wird, sollte künftig gut bei Kasse sein: ab Mitte Dezember wollen die Ärzte Patienten nur noch gegen Bargeld untersuchen und behandeln. Die Mediziner protestieren damit gegen die schlechte Zahlungsmoral der staatlichen Krankenkassen. Diese schulden den Ärzten Honorare in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro.
Auch die griechischen Apotheker klagen über ausstehende Zahlungen und haben deshalb kürzlich gestreikt. Demnächst wollen private Labors ihre Zusammenarbeit mit den fünf größten Kassen aufkündigen. Betroffen davon sind acht Millionen Versicherte. Bei US-Medizinfirmen steht Griechenland mit vier Milliarden Dollar in der Kreide.
Die Aktionen der Ärzte und Apotheker zeigen: Das Nationale Gesundheitssystem in Griechenland (ESY) steht vor dem Kollaps. In vielen Kliniken fehlt es inzwischen am Nötigsten: sterile Gummihandschuhe, Injektionsnadeln und Katheter sind Mangelware. Ein Krankenhaus auf Kreta hat nicht mal mehr Geld für Sauerstoffflaschen, und in einer Athener Klinik gehen sogar die Wattetupfer aus.
Das staatliche Gesundheitswesen wird immer tiefer in einen Schulden-Strudel gerissen: Die Krankenkassen schulden den Kliniken 2,1 Milliarden Euro. Die Krankenhäuser wiederum schulden ihren Lieferanten 4,3 Milliarden. Weil Tausende Planstellen für Ärzte und Pfleger nicht besetzt sind, muss selbst auf Routineuntersuchungen in den staatlichen Krankenhäusern monatelang gewartet werden.
Die katastrophalen Missstände lassen die Korruption aufblühen: jeder dritte Krankenhauspatient, so eine Umfrage, steckt dem Arzt ein "fakelaki" zu – so nennt man in Griechenland den diskret überreichten Briefumschlag, in dem sich Geldscheine befinden. Im Schnitt liegt die Bestechungssumme bei etwa 500 Euro. Damit kann man die endlosen Wartezeiten vor notwendigen Untersuchungen oder Operationen verkürzen.
Das Chaos in den staatlichen Krankenhäusern verhilft nicht nur korrupten Ärzten zu einem einträglichen Nebenverdienst. Es beflügelt auch das Geschäft der Privatkliniken. Deren Umsätze stiegen in den vergangenen zehn Jahren von 574 Millionen auf 1,8 Milliarden Euro.
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