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Papandreou bricht ein 100 Jahre altes Tabu
Es war der Karrieretraum eines durchschnittlichen Griechen: eine Stelle beim Staat. Denn 1911 wurde den Beamten der Schutz eines lebenslangen Arbeitsplatzes eingeräumt. Die heutige Abstimmung soll dies ändern.
Griechische Beamte können mit einem grosszügigen Salär und Vergünstigungen rechnen. Sie arbeiten weniger als ihre Kollegen im Privatsektor und geniessen ein durch die Verfassung geschütztes Recht auf einen Arbeitsplatz auf Lebenszeit.Doch in der schlimmsten Krise Griechenlands seit dem Zweiten Weltkrieg und unter dem Druck internationaler Kreditgeber hat die sozialistische Regierung in Athen angekündigt, tausende Stellen im öffentlichen Dienst zu streichen. Das Vorhaben ist Teil einer neuen Sparmassnahme, über die heute im Parlament abgestimmt wird.
Jedes fünfte Gehalt zahlt die Regierung
Konkret geht es dabei um die Einsparung von rund 300 Millionen Euro, in dem 30’000 Staatsbeamte in eine sogenannte Reserve-Stellung mit geringerer Bezahlung für bis zu zwei Jahre versetzt werden. In einem Land, in dem jedes fünfte Gehalt von der Regierung bezahlt wird, hat das weitreichende Folgen.
So werden die meisten bis dahin das Rentenalter erreicht und Anspruch auf volle Rentenzahlungen haben, andere werden auf andere Beamtenstellen versetzt. Doch aufgrund einer verfassungsmässigen Lücke könnten bis zu 9000 Beamte bald der wachsenden Zahl an Arbeitslosen angehören, die im Juli auf 820’000 oder 16,5 Prozent anwuchs. Im Vergleich dazu liegt die Zahl der Staatsbediensteten bei rund 780’000.
Der Klientelismus entfaltet bis heute seine Wirkung
Mit den Entlassungen wird ein 100 Jahre altes Tabu gebrochen. Schliesslich wurde 1911 den Beamten der Schutz eines lebenslangen Arbeitsplatzes eingeräumt. Der Grund: Bis dahin hatte jede neu gewählte Regierung ihre eigenen Unterstützer in der Verwaltung untergebracht, indem sie sich zuvor der alten Bediensteten in grossem Stil entledigte.
Allerdings sagen die meisten Griechen, dass der politische Klientelismus nie wirklich ausgemerzt wurde, weil nachfolgende Regierungen ihre Gefolgsleute sehr wohl weiterhin in Ämter hievten und so den Apparat weiter aufblähten, weil die vor den Vorgängerregierungen Eingestellten zwar an den Rand gedrängt, aber eben nicht entlassen wurden.
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