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      Einbruch im Tourismus

      «Schwarzer Donnerstag», lautete die Schlagzeile der Zeitung «Kathimerini» am Freitag, nach der neuen Panikreaktion der europäischen Märkte und Politiker. Aber angesichts der Stimmung im Lande hätte dieser Titel da auch schon am Mittwoch stehen können. Und im März. Und im Februar. Es ist ein rabenschwarzes Jahr für die Griechen. Und das Schlimme ist: Es ist noch nicht klar, ob das nächste nicht noch schwärzer wird. Nur eines ist sicher: «Was immer Schlimmes auf uns niederkommt, es wird auf die Schultern der einfachen Leute fallen, derjenigen, die arbeiten und ihre Steuern bezahlen», heisst es bei «Kathimerini».

      Das hat Folgen. Die Leute halten ihr Geld zusammen. Die eben zu Ende gegangenen Osterferien sind den Athenern normalerweise Anlass für einen Auszug aus der Hauptstadt: Man fährt aufs Land, auf die Inseln. In diesem Jahr war der Exodus deutlich gebremst: Die Zeitung «Eleftherotypia» meldete diese Woche, Inseln wie Korfu und Rhodos hätten einen Rückgang der Gästezahlen um bis zu 35 Prozent verzeichnet. Für den Sommer haben Hotels und Resorts schon Rabatte angekündigt, einige aber wollen nicht einmal mehr aufmachen: Hunderte erklärten in den letzten Wochen die Insolvenz. Kein gutes Omen für das Land, in dem der Tourismus eine tragende Säulen der Volkswirtschaft ist.

      Auch die Kirche profitiert nicht

      Auch die Kirche, sonst spiritueller Zufluchtsort in Zeiten der Not, scheint nicht zu profitieren: «Die Ostermessen waren nur halb so gute besucht wie im letzten Jahr», erzählt eine Athener Touristin auf der Sporadeninsel Astypalea: «Ostern ist ein Fest der Freude und der Tradition bei uns. Die Leute aber sind nicht in der Stimmung zu feiern.» Selbst die Cafés – das zweite Wohnzimmer vieler Athener – melden einen Umsatzrückgang um 15 Prozent. Sie kämpfen nun um ihre Kunden: Manche legen für den Preis eines Kaffees noch ein Croissant dazu. Coca-Cola hat die Preise für 2010 schon eingefroren, die Supermarktkette Carrefour hat 10’000 Produkte um 15 Prozent verbilligt. Die Taxifahrer haben dieses Jahr auf ihren traditionellen Osteraufschlag von einem Euro pro Fahrt verzichtet – «aus Solidarität». Generell scheinen die Firmen und Läden dem Aufruf des Griechischen Handelsvereines ESEE zu folgen und geben die Mehrwertsteuer-Erhöhung um 2 Prozent nicht weiter an den Kunden. Das, so ESEE, gebiete der «wirtschaftliche und soziale Patriotismus». Dennoch melden die Zeitungen, die neue Steuer habe dem Staat bislang nichts gebracht – weil die Leute viel weniger kaufen. Sie haben Angst vor der Zukunft.

      Erspartes in Sicherheit bringen

      Und dann gibt es die Angst um die Ersparnisse. Seit Monaten schon machen wilde Gerüchte die Runde. Eine der vier grossen Banken stehe vor dem Zusammenbruch, heisst es etwa. Oder: Griechenland stehe vor dem Rausschmiss aus der Eurozone, die Drachme werde wieder eingeführt. Diese Gerüchte kommen und gehen in Wellen – und haben immer dann Konjunktur, wenn das Land einen neuen Schock zu verkraften hat wie die Nachricht vom Rekord-Spread diese Woche. Sie haben reale Folgen: Viele Leute plündern ihre Bankkonten. Der Besitzer einer Nachhilfeschule in Thessaloniki zum Beispiel, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte und der mit den Ersparnissen seiner Frau und seiner Schwiegermutter vor mehr als einem Monat schon nach Berlin geflogen ist, um sie in einer deutschen Bank sicher unterzubringen. Auch die Schweiz ist ein beliebter Hafen für Notgroschen. Schlangen vor den Banken gibt es noch nicht. «Ich sehe noch keine Panik, aber zunehmende Besorgnis», sagt Yannis Palaiologos, Chefredaktor einer Wochenzeitung. «Sekretärinnen kommen zu mir ins Büro und fragen mich, ob sie ihr Geld abheben und unters Kopfkissen tun sollen.»

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