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Deutschland, «einmal mehr»
Im verzweifelten Kampf um die Eurorettung brechen Jahrhunderte alte Gräben wieder auf: Briten und Franzosen zeichnen das Bild des hässlichen Deutschen.
Im Ringen um die Eurorettung liegen die Nerven in Europa blank. So blank, dass die Stimmung hie und da gehässig wird – insbesondere in Grossbritannien und Frankreich gegen die deutsche Regierung, die sich nicht für eine EZB-Aktion oder für Eurobonds aussprechen will. Dabei brechen Animositäten hervor, die man für überholt hielt: Deutschland wird zum Kriegsherrn stilisiert, der es im letzten Jahrhundert zweimal war. «Da wird mit uralten Stereotypen gearbeitet», sagt Joachim Knape, Professor für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen.So schreibt etwa der französische Ökonom und frühere Regierungsberater Jacques Attali, Deutschland sei «einmal mehr verantwortlich für den Selbstmord des fortschrittlichsten Kontinents der Welt», falls es dem Anleihenkauf der EZB nicht zustimme. Deutschland halte dazu «die Waffe in der Hand».
«Der Aufstieg des Vierten Reichs»
Noch deutlicher wird Anatole Kaletsky, Chefökonom der britischen «Times» (online nicht verfügbar). «Wenn Clausewitz Recht hat und Krieg die Weiterführung von Politik mit anderen Mitteln ist, so ist Deutschland wieder im Krieg mit Europa», schreibt er. «Wenigstens in dem Sinne, als deutsche Politik in Europa charakteristische Kriegsziele zu erreichen versucht – die Verschiebung internationaler Grenzen und die Unterwerfung fremder Völker.» Die Kollegen vom Boulevardblatt «Daily Mail» verzichten auf eine solche Differenzierung. Im August titelten sie: «Der Aufstieg des Vierten Reichs – wie Deutschland die finanzielle Macht nutzt, um Europa zu erobern.»
In Griechenland und Portugal gehen Demonstranten mit Bildern auf die Strasse, welche die deutsche Kanzlerin in Nazi-Uniform zeigen. Manche von ihnen verkleiden sich auch als Adolf Hitler. Politiker in Berlin bekämen die Weltkriegs-Keule auch direkt zu spüren, schreibt «Spiegel online». «Bei Begegnungen mit ausländischen Gästen wird schon mal gefrotzelt: Jetzt würden die Deutschen in der Eurokrise erreichen, was ihnen im Zweiten Weltkrieg versagt geblieben sei – die Herrschaft über Europa.»
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