Jetzt regiert der «kleine» Papandreou
Sein Grossvater und Vater standen bereits an der Spitze des Landes. Nun ist es an Giorgos Papandreou, Griechenland zu regieren.
Die Sozialisten siegen in Griechenland
Er nehme die «grosse Verantwortung» an, sagte Giorgos Papandreou nach dem klaren Sieg seiner Sozialisten bei den Parlamentswahlen am Wochenende. Der 57-jährige Politiker hat ein 100-Tage-Sofortprogramm angekündigt, um die griechische Wirtschaft aus der Krise zu bringen und den Staatshaushalt zu sanieren. Auf der internationalen Bühne steht der frühere Aussenminister für die Entspannung der Beziehungen zum Nachbarland Türkei.
Die Griechen haben ihrem neuen Regierungschef bereits vor Jahren den Spitznamen Giorkakis gegeben, der kleine Giorgos. Der grosse Georgios Papandreou, das war sein Grossvater, der erste Ministerpräsident nach dem Zweiten Weltkrieg.
Seine politische Karriere begann der «kleine» Papandreou unter seinem Vater Andreas, der 1974 die Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok) gründete und von 1981 bis 1989 sowie 1993 bis 1996 das Land regierte. Andreas Papandreou verschaffte seinem Sohn mehrere Posten in der zweiten Reihe, auf denen er Erfahrungen sammeln konnte.
Zwei Wahlniederlagen
Giorgos Papandreou, der in den USA und Grossbritannien Soziologie studierte, konnte den Überzeugungen der alten sozialistischen Garde jedoch wenig abgewinnen – er verstand sich eher als Sozialdemokrat skandinavischer Prägung.
In den 90er Jahren gehörte Papandreou dem reformorientierten Lager um Ministerpräsident Kostas Simitis an, unter dem er als Aussenminister diente. Dabei machte er sich um die griechische Annäherung an die Türkei und die Nachbarländer auf dem Balkan verdient.
Nach dem Rücktritt von Simitis im Februar 2004 führte Papandreou die Pasok als neuer Parteichef und Spitzenkandidat einen Monat später auf verlorenem Posten in die Parlamentswahlen. Auch die Wahlen im Jahr 2007 verlor der Politikerspross – mit dem schlechtesten Wahlergebnis der Sozialisten seit 30 Jahren.
Im dritten Anlauf gelang ihm nun der Sprung an die Macht, auch wenn ihm die Skandale der konservativen Regierung von Kostas Karamanlis dabei stark geholfen zu haben scheinen. Papandreous Pasok holte fast 44 Prozent der Stimmen, die regierende Nea Dimokratia stürzte auf gut 33 Prozent ab.
Hartes Vorgehen gegen Korruption
Das 100-Tage-Programm, das Papandreou vorgelegt hat, sieht staatliche Investitionen in die Wirtschaft und die Förderung umweltfreundlicher Technologien vor. Ausserdem kündigte er einen hartes Vorgehen gegen Korruption und Vetternwirtschaft an.
«Ich werde immer ehrlich gegenüber dem griechischen Volk sein», sagte er in seiner Siegesrede. Das «grossartige Potenzial» des Landes leide unter Verschwendung, Filz und Gesetzlosigkeit.
In der Aussenpolitik dürfte das Verhältnis zur Türkei neues Gewicht bekommen. Vor der Wahl versprach Papandreou «neue Bemühungen», um die beiden Nachbarstaaten auch politisch anzunähern.
Besondere Beziehungen dürfte Papandreou zu den Vereinigten Staaten pflegen: Die Mutter des neuen griechischen Ministerpräsident stammt aus den USA, sie wurde in Saint-Paul im US-Bundesstaat Minnesota geboren.
