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Pfarrer auf der Sonneninsel
Gerhard Jacobs betreut die deutschen evangelischen Christen auf KretaAMELSBÜREN/KRETA Das Leben auf der Mittelmeerinsel Kreta gefällt Pfarrer Gerhard Jacobs gut. Auch wenn er noch nicht viel Zeit für Ausflüge in die schöne Natur und erholsame Tage am Strand hat. Jacobs, bis zu seiner Pensionierung im März Pfarrer der evangelischen Gemeinde Hiltrup/Amelsbüren, ist seit einem Monat Pfarrer der deutschen evangelischen Kirche auf Kreta. Am Telefon schildert er MZ-Redakteur Stephan Oerter seine Eindrücke.
Bis zu seiner Pensionierung im März war Gerhard Jacobs Pfarrer in der evangelischen Gemeinde Hiltrup/Amelsbüren. Nun ist er auf der Insel Kreta tätig.
Herr Pfarrer Jacobs, nicht, dass Sie mich falsch verstehen, denn Sie sind ja im wohl verdienten Ruhestand: Ist Ihre neue Aufgabe für Sie eher Urlaub oder Arbeit?
Jacobs: Ich bin hier, um zu arbeiten, nicht um zu urlauben. Im Moment bin ich zeitlich sehr eingebunden, aber ich hoffe natürlich, dass meine Frau und ich bald mehr Zeit haben, uns diese wunderschöne Insel anzusehen.
Wie kommen Sie an die Pfarrstelle auf Kreta?
Jacobs: Die evangelische Gemeinde auf Kreta ist ja eine Tochtergemeinde der deutschen evangelischen Gemeinde in Athen. In dieser Athener Gemeinde habe ich Anfang der 70er Jahre ein Jahr meines Vikariats verbracht. Außerdem haben wir familiäre Beziehungen nach Griechenland – mein Schwager ist Grieche. Als ich aus Hannover von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) erfahren habe, dass die Athener Gemeinde für Kreta einen pensionierten Pfarrer sucht, haben wir kurz überlegt und dann Ja gesagt.
Sie haben als Theologe zwar Altgriechisch gelernt, aber können Sie auch Neugriechisch?
Jacobs: Ich kann zumindest alles lesen, das ist schon mal ein Vorteil. Und einige Grundbegriffe kenne ich noch aus meiner Vikariatszeit in Athen.
Kennen Sie Kreta?
Jacobs: Nein bislang nicht richtig, wir waren früher einmal kurz dort.
Wie groß ist Ihre neue Gemeinde?
Jacobs: Auf Kreta leben ungefähr 2000 evangelische Christen, allerdings ist die Zahl der Gemeindeglieder, die Beiträge zahlen, deutlich kleiner. Das sind zurzeit unter 100. Wir hoffen aber, dass sich das bald ändert.
Wie denn?
Jacobs: Wie gesagt: Wir sind zurzeit noch eine Tochtergemeinde von Athen, wollen das aber jetzt ändern. Dazu werden wir einen Verein gründen.
Warum denn einen Verein?
Jacobs: In Griechenland gibt es die orthodoxe Kirche. Sie ist die einzige Kirche. Alle anderen Glaubensgemeinschaften sind Vereine.
Ihre neue Gemeinde ist zahlenmäßig also kleiner als Ihre alte, flächenmäßig dafür ungleich größer.
Jacobs: Ja, das ist sicher ein Problem. Kreta ist ja eine lang gestreckte Insel, sie ist rund 250 Kilometer lang. Da ist die Gemeinde nicht so überschaubar wie Hiltrup und Amelsbüren.Wo feiern Sie Ihre Gottesdienste?
Jacobs: Es gibt drei Gottesdienstorte: Heraklion, Elounda und Chania. In diesen drei Orten wird abwechselnd sonntags um 11.30 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl gefeiert. Und obwohl es drei Gottesdienststätten gibt, haben die Gemeindeglieder teilweise Anfahrten von 120 Kilometern.
Hat Ihre Gemeinde denn eigene Kirchen?
Jacobs: Nein, wir haben keine eigenen Kirchen. Wir nutzen Räume von anderen Glaubensgemeinschaften. In Heraklion, wo wir wohnen, ist es die kleine katholische Kapelle zum Heiligen Kreuz, in Chania die katholische Kirche in Chalepa und in Elounda der Gemeindesaal der orthodoxen Kirche.
Sie feiern alle Gottesdienste selbst?
Jacobs: Ja. Im Januar und Februar werden wir zwei Monate in Amelsbüren sein, dann fallen die Gottesdienste hier aus.
Unterscheiden sich die Gottesdienste von jenen, die Sie in Amelsbüren und Hiltrup gefeiert haben?
Jacobs: Vom Ablauf her nicht. Die Liturgie ist die gleiche, wir singen die gleichen Lieder. Allerdings gibt es natürlich keine Organisten.
Gibt es niemanden, der den Gesang begleitet?
Jacobs: In Chania gibt es eine Flötistin. Für die anderen beiden Gottesdienststätten suche ich noch jemanden, der Musik machen kann. So lange stimme ich die Lieder eben selbst an. Insgesamt gesehen geht es in den Gottesdiensten hier schon lockerer zu, als in Deutschland.
Gibt es andere Amtshandlungen, die Sie als Pfarrer machen müssen?
Jacobs: Bislang hatte ich weder eine Trauung noch eine Beerdigung. Allerdings sind für nächstes Jahr schon einige Trauungen angemeldet. Es gibt ja auch deutsche Touristen, die sich gerne auf Kreta trauen lassen möchten. Das ist auch meine Aufgabe.
Bleibt Ihnen neben Ihrem Beruf Zeit, die Insel touristisch zu erkunden?
Jacobs: Bislang mache ich schon einen Full-Time-Job, aber ich muss ja auch erst einmal alles kennen lernen. In der Stellenbeschreibung der EKD wird meine Stelle als Halbtagesstelle beschrieben. Ich hoffe also, dass wir bald etwas mehr Zeit haben werden, das schöne Wetter zu genießen und die Naturschönheiten zu entdecken.
Wie ist denn gerade das Wetter bei Ihnen?
Jacobs: 25 Grad, die Sonne scheint. Die Sommerhitze ist nun vorbei. Besser geht es eigentlich kaum.
Da werden Sie und Ihre Frau Amelsbüren kaum vermissen, oder?
Jacobs: Na ja, wir sind ja erst einen Monat hier. Aber wir wohnen hier in einer Ferienwohnung, da ist alles schon etwas bescheidener, als in unserem Amelsbürener Haus. Andererseits entschädigen uns das schöne Wetter und das nahe Meer dafür.
Fortsetzung im nächsten Beitrag …
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