-
AutorBeiträge
-
Magisches Licht über der Akropolis
ATHEN. Es ist längst eine Tradition: Zum Vollmond im August treffen sich tausende Athener auf der Akropolis. Die mächtigen Torhallen der Propyläen, die Statuen des Erechtheions und die Säulen des Parthenon im milden Mondlicht einer Hochsommernacht zu sehen, ist eine ganz besondere Erfahrung. Für diese Nacht öffnet Griechenland geschichtsträchtige Stätten.
"Ich werde dieses Erlebnis nie vergessen", sagt die 42-jährige Heike Gruber aus Düsseldorf, die vor vier Jahren erstmals eine Vollmondnacht auf der Akropolis verbrachte und in diesem Jahr ihren Griechenland-Urlaub extra so geplant hat, dass sie am heutigen Donnerstagabend wieder die Marmorstufen zur Athener Burg hinaufklettern kann. Zwar machen die Antikenwächter normalerweise die Tore zur Akropolis um 19.30 Uhr dicht. Aber einmal im Jahr, zum Vollmond im August, bleibt das Athener Wahrzeichen bis 1.30 Uhr früh geöffnet.
Schon den Griechen der Antike galt die Vollmondnacht im August als eine magische Nacht. Das Vergnügen soll ungetrübt sein: der griechische Wetterdienst sagt für die Nacht zum Freitag im ganzen Land einen fast wolkenlosen Himmel voraus. Nicht nur die Akropolis sondern auch weitere 80 antike Stätten und Museen in ganz Griechenland werden heute Nacht für mondsüchtige Besucher geöffnet sein, von Florina im Norden bis Kreta im Süden – manche sogar bis drei Uhr früh.
An 43 Stätten werden musikalische Darbietungen und Theateraufführungen das Mondlicht untermalen. Die Bandbreite reicht von klassischer Musik über Jazz und Ballett bis zu griechischer Volksmusik und Lesungen. Veranstaltungen gibt es unter anderem im antiken Bezirk von Marathon, auf der Festung Palamidi bei Nafplion, im antiken Olympia, in Mystras und Methoni auf dem Peloponnes und am Kap Aptera auf Kreta.
An anderen Orten können die Besucher das Mondlicht in aller Stille genießen. Auf der Athener Akropolis, auf der Burg Akrokorinth und auf der Kykladeninsel Delos soll die Magie der Vollmondnacht bewusst nicht durch Musik gestört werden. Getränke und Rauchen sind übrigens ebenso streng verboten wie das Fotografieren mit Blitzlicht.
Als einer der schönsten Orte, diese Nacht zu verbringen, gilt neben der Akropolis der Poseidontempel am Kap Sounion, eine Autostunde südöstlich Athens. Die Ruine des im 5. vorchristlichen Jahrhundert gebauten Tempels steht auf einem Kliff 60 Meter über dem Meer – das der im Süden stehende Vollmond in flüssiges Silber zu verwandeln scheint. Die Vollmondnächte am Poseidontempel genoss schon Anfang des 19. Jahrhunderts der britische Dichter Lord Byron. Er hat seinen Namen in den Marmor des Tempels eingeritzt. Das sollte man heute aber nicht mehr tun, wenn man Ärger mit den Antikenwächtern vermeiden will.
-
AutorBeiträge
- Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.
