-
AutorBeiträge
-
Anonym
Dezember 22, 2008 um 2:04 p.m. UhrBeitragsanzahl: 5352In Griechenland tobt der Mob auf der Straße. Brandsätze fliegen, Fassaden zerbersten. Hatte man die Bilder verinnerlicht, die bereits mit zwei Tagen Vorlauf im Internet zu finden waren, wurde einem bewusst wie friedlich es doch bei uns in Deutschland noch zugeht. Warum die Autonomen in Athen aber einen eigenen Stadtteil besitzen und starke Ressentiments gegenüber den gemeinhin als konservativ geltenden Hellenen pflegen, liegt tief in der neueren Geschichte Griechenlands begründet.
Griechenland kämpft gegen das Osmanische Reich
Die Revolution gegen das Osmanische Reich begann am 25. März 1821 und führte die Griechen mithilfe der starken philhellenistischen Strömung in Europa, deren Zentrum in Genf angesiedelt wird, letztlich in die Unabhängigkeit. Nach wechselvollen Kämpfen infolge von griechischen Aufständen folgte der Sieg der vereinigten Flotten Englands, Frankreichs und Russlands in der Schlacht von Navarino am 20. Oktober 1827, woraufhin die im Londoner Vertrag vom 6. Juli 1827 geforderte Unabhängigkeit Griechenlands gegenüber dem Osmanischen Reich durchgesetzt werden konnte.
Das erste Staatsoberhaupt des von den Türken befreiten Griechenland war der Graf Ioannis Kapodistrias. Am 9. Oktober 1831 wurde Kapodistrias durch die Familie Mavromichalis ermordet. Im Jahr 1832 wurde dann der bayerische Prinz Otto, Sohn König Ludwigs I. von Bayern als Otto I., Griechenlands erster König. Griechenland war somit keine Republik mehr, sondern ein Königreich, das erst 1974 abgeschafft wurde.
Ein nationales Gefühl nach einem Großgriechenland flammt auf
Griechenlands Unabhängigkeit wurde von den Briten garantiert, um eine dauerhafte Stütze gegen die Osmanen zu sein. Der neue Staat umfasste jedoch nur circa ein Drittel der Griechen, sodass die Große Idee der Griechen auflebte, auch die anderen noch türkisch beherrschten Gebiete zurückzuerobern und alle Griechen in einem Nationalstaat zu vereinen. Erst im Balkankrieg von 1912/13 konnte Griechenland gegenüber dem Osmanischen Reich große Landgewinne verzeichnen. Vorherige militärische Aktionen waren weitgehend erfolglos geblieben. Trotz der traditionellen Feindschaft zu den Osmanen trat Griechenland im Ersten Weltkrieg erst 1917 nach der Dardanellenschlacht der Entente gegen die Mittelmächte bei.
Der Griechisch-Türkische Krieg mündete in den Sieg der Türken unter Mustafa Kemal Atatürk, sodass die geschlagenen griechischen Truppen Kleinasien im Herbst 1922 fluchtartig verlassen mussten. Dies führte dazu, dass 1923 im Vertrag von Lausanne im Einvernehmen beider Regierungen ein Austausch der Bevölkerungen beschlossen wurde. Die Zwangsumsiedlung betraf circa 1,5 Millionen Griechen und 600.000 Türken. Als ausschlaggebendes Kriterium der Volkszugehörigkeit wurde die Religion festgelegt (orthodox = griechisch, muslimisch = türkisch), die nicht immer der ethnischen Zugehörigkeit entsprach. Durch den Zuzug der Griechen aus dem anatolischen Festland und dem Pontos hatte Griechenland eine Flüchtlingsquote von etwa 25 Prozent zu bewältigen. Jeder vierte Grieche war Flüchtling, was schwere gesellschaftliche Verwerfungen nach sich ziehen musste.
-
AutorBeiträge
- Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.
