Zentral

Heraklion

Altstadt

Für manch einen die Metropole der Insel, für andere einfach der vielleicht hässlichste Ort ganz Griechenlands. So extrem gehen die Meinungen zur größten Stadt auf Kreta auseinander, aber eigentlich schließt das eine ja das andere nicht aus. Rings um die relativ kleine und sehenswerte Altstadt ist ein „Moloch“ entstanden, der auf der gesamten Insel seinesgleichen sucht. Wahrlich nichts für Liebhaber typisch kretischer Urlaubsidylle, sondern weitestgehend eine reine Betonorgie … Die „Bauwut“ vergangener Jahre, Jahrzehnte, ja gar Jahrhunderte und das nahezu völlige Fehlen städtebaulicher Konzepte hat verschiedenste Gründe:

Da gab es zunächst nach der Befreiung von der Türkenherrschaft den großen „Rundumschlag“, als so ziemlich alles, was an die verhassten Besatzer erinnerte, dem Erdboden gleich gemacht wurde. Außerdem hinterließen natürlich auch deutsche und alliierte Bomben nach dem 2. Weltkrieg ihre deutlichen Spuren im Stadtgebiet.

Beim darauf folgenden Wiederaufbau ging es ebenso rasant und chaotisch zu, wie schon beim großen griechisch – türkischen Bevölkerungstausch in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals siedelten sich Tausende Griechen aus Kleinasien in Heraklion an und ließen quasi „über Nacht“ die zahlreichen Vorstädte der Inselhauptstadt wie Pilze aus dem Boden schießen. Gerade im Zentrum hat sich jedoch in den vergangenen Jahren viel getan. Neben einem Bummel durch die Altstadt rund um den als Treffpunkt so beliebten Morosini-Brunnen an der Platia Venizelou, gehört auch ein Besuch im Fischerhafen zum Pflichtprogramm eines Stadtbesuchs.

Von dort hat man einen schönen Blick auf die Reste der alten Stadtbefestigung, das Hafenkastell Koules und die ehemaligen venezianischen Arsenale.Ehemals eine der Hauptverkehrsachsen der Innenstadt, ist die direkte Verbindung vom Hafen hoch zur Platia Venizelou 2006 zur Fußgängerzone umgebaut worden.Eine geniales Projekt, von dessen Realisierung die gesamte City profitierte!

Denn wo sich bis dahin der Verkehr lärmend durch die Häuserschluchten quälte, vorbei an den Büros zahlreicher Reedereien und Autovermieter, ist nun paradiesische Ruhe eingezogen, lässt sich jetzt prima flanieren! Agios Titos, die Venezianische Loggia und Agios Markos entfalten nun eine ganz neue Wirkung auf die zahlreichen Besucher. Und in den Straßencafés auf der Platia Kallergon rund um den Morosini-Brunnen ist der (Hintergrund-) Geräuschpegel merklich gefallen.

So saßen wir im Sommer 2006, als die Bauarbeiten noch in vollem Gange waren, abends schon mitten auf der ehemals stark befahrenen Straße vor dem übrigens zu empfehlenden „Donuts & Coffee“ (direkt neben der Loggia: lecker und wesentlich günstiger als die Cafés am Morosini-Brunnen) und genossen die Ruhe und den Blick auf die effektvoll beleuchteten Hausfassaden über uns.

Venezianischer Hafen

Von der höher liegenden Altstadt erreicht man über die „Straße des 25. August“, so benannt nach dem türkischen Massaker an der kretischen Bevölkerung am 25. August 1898, in wenigen Minuten den alten Hafen. Sogleich fällt der Blick auf das alte venezianische Koules am Ende des Fischerhafens. Auf dem Spaziergang dorthin kann man am Beginn der langen Mole den Fischern beim Säubern und Flicken ihrer Netze zusehen.

Nach Osten hin schließt sich der kleine Yachthafen mit den dahinter liegenden Gebäuden der Hafenbehörden und dem Anleger der Schnellfähre an. Im Hintergrund behaupten sich die geduckten Gewölbe der venezianischen Arsenale gegenüber der ihnen „im Nacken“ sitzenden Hotel- und Wohnbebauung, angelehnt an die Reste der ehemals mächtigen Mauern der Stadtbefestigung. Zu Zeiten der Venezianer hatten diese als Lagerhallen und Schiffsdocks dienenden Arsenale direkten Zugang zum Hafenbecken. Einiges von seinem Charme geht der Szenerie heute schon durch den starken Verkehr zum weiter östlichen gelegenen Fähr- und Frachthafen verloren.

Besserung ist nicht in Sicht, eher das Gegenteil: auch nach Westen wurden die alte Bausubstanz teilweise großflächig abgerissen, um so Platz für den Neubau der Uferstraße zu schaffen, die mittlerweile an die bereits im Juni 2004 fertiggestellten Streckenabschnitte im Bereich des neuen Pankritio-Stadions angeschlossen wurden.

Etwas ruhiger wird es am Abend, wenn die festlich beleuchteten Fährschiffe einen Hauch von Traumschiff-Atmosphäre aufkommen lassen. Sehenswert ist auch ein Sonnenuntergang auf der Hafenmole. Nur wenige Schritte von der Hektik des Hafens entfernt findet sich im Viertel oberhalb der Arsenale rings um so manch idyllisches Eckchen. Wie z.B. der Parkplatz für den kleinen gelben Flitzer auf den Bildern unten rechts, unweit der Katholischen Kirche in einer Seitengasse der Epimenidos-Straße. Die damals schon etwas ramponierte Dampflok auf dem Foto rechts oberhalb war übrigens bis 2008 auf der Rasenfläche neben der Parkplatzeinfahrt zum Yachthafen (siehe auch Panoramafoto unten auf dieser Seite) zu bestaunen.

Blick auf den Yachthafen, im Hintergrund die venezianischen Arsenale (li.). Rechts ein Schnappschuss von der neuen Uferstraße westlich des alten Hafens.Einige Meter weiter östlich beginnt das weitläufige Areal des Fracht- und Fährhafens von Heraklion.

Die Schnellfähre und auch die großen Fährschiffe von und nach Piräus haben hier ihre Anleger, nicht weit entfernt vom Busbahnhof „A“.Auskünfte und Fähr-Tickets, auch für die Touren nach Santorin, gibt es übrigens in den zahlreichen Agenturen der Reedereien in der „Straße des 25. August“, die vom venezianischen Hafen hoch ins Stadtzentrum führt. Ein Stückchen weiter östlich befindet sich der Liegeplatz eines Schiffs der „AIDA“-Flotte, das hier allwöchentlich neue Gäste aufnimmt um mit Ihnen durch das östliche Mittelmeer bis nach Ägypten zu „cruisen“. Den Abschluss des Hafengeländes bilden die Piers für die Frachtschiffe, die Kreta mit vielen lebenswichtigen Produkten wie Souvenirs „Made in Taiwan“ oder Feta-Käse aus Skandinavien versorgen …

Kastell Koules

Erbaut von den Venezianern im frühen 16. Jahrhundert (an der Stelle einer um 1300 durch ein Erdbeben zerstörten Festung), schützt das mächtige Bollwerk mit seinen meterdicken Mauern und den beiden Markuslöwen seither die Hafeneinfahrt. Das Kastell war ein Teil der etwa 5 km langen venezianischen Stadtmauer, die sich um die gesamte Altstadt zieht. Ihr Bau zog sich über 140 Jahre hin.

Mit ihren sieben Bastionen galt die Festung „Candia“ als stärkste im Mittelmeer. Im Inneren der Hafenfestung vermitteln düstere Gänge und Gewölbe den Eindruck einer mittelalterlichen Burg. Oben von den Zinnen hat man einen schönen Ausblick über den Hafen und auf die Stadt. Weitere Bilder, auch aus dem Inneren der Hafenfestung, sowie ein Panoramafoto des Hafens finden sich auf den Folgeseiten!

Odos 1866 – die Marktgasse

Nicht nur eine Touristenattraktion sondern auch zentraler Treffpunkt der Einheimischen ist die „1866-Straße“ mit ihren zahlreichen Läden und Verkaufsständen. Von der Kreuzung oberhalb des Morosini-Brunnens erstreckt sich das Markttreiben bis hoch zur Platia Kornarou mit dem ehemaligen türkischen Brunnenhaus, das heute als Kafenion dient. Über Ost und Gemüse bis hin zu Schwämmen, Öl und Gewürzen reicht das Angebots im unteren Bereich.

Dann folgen Metzgerbetriebe mit reichhaltigen Auslagen, Schuhgeschäfte und Kaffeeröstereien, bis hin zu den üblichen Touristenshops mit Lederwaren, Taschen und sonstigen Souvenirs. In den Seitengassen laden kleine Tavernen zu einer Zwischenmahlzeit oder einfach nur zum Ausruhen ein. Sehenswert ist auch eine der kleinen Gassen im südlichen Bereich des Marktes, die wenige Meter vor dem Erreichen des Bembo-Brunnens an der Platia Kornarou rechts abgeht.

Biegt man dort vor dem alten Periptero mit den Telefonen draußen auf der Theke rechts ab, kommt man zu den Ständen der Fischhändler. Gleich nebenan ertönt das Rattern der Nähmaschinen, die in den winzigen Schuhmacherwerkstätten ihren Dienst verrichten. Zurück in der Marktgasse erreicht man wenig später den Kornarou-Platz, wo neben dem Brunnenhaus der aus dem 16. Jahrhundert stammende venezianische Bembo-Brunnen zu finden ist.

Allwöchentlich am Samstag verwandelte sich früher die breite vierspurige Straße hinter dem Frachthafen in einen langgestreckten Basar, auf dem von der Kaffeetasse bis zum Büstenhalter fast alles zu kriegen war. Wie überall auf den Wochenmärkten Kretas überbieten sich die Händler lautstark beim Anpreisen ihrer Waren, laden inmitten des Gewühls mobile Kantinas zu einem leckeren Souvlaki-Spieß ein … Update: Der Markt hat einen neuen Standort und ist in den südlich des alten Standortes gelegenen Stadtteil Katsampras umgezogen, auf einem großen asphaltierten Platz in der Nähe (östlich) der Ausfallstrasse nach Knossos. Insgesamt kein schlechter Platz, nur das Parken ist hier ein Problem.

Pankritio Stadion + Fußball EM 2004

Zahlreiche Spiele des Olympischen Fußballturniers wurden 2004 im neuen Stadion am westlichen Stadtrand ausgetragen. Direkt am Strand liegend, steht die weitere Nutzung der über 40 Mio. Euro teuren Anlage aber in den Sternen. 27.000 Zuschauer fasst die moderne Arena mit  Schwimmbecken und Mehrzweckhalle, die derzeit (Saison 2006/07 und ’07/08) nur von OFI Kreta und Ergotelis, den beiden kretischen Fußballmannschaften in der griechischen Super League, genutzt wird.

Nikos Kazantzakis International Airport

Etwa 5 Kilometer östlich des Stadtzentrums liegt der „Nikos Kazantzakis International Airport“ (Kürzel: HER). Er ist neben Chania und auch Sitia, einer der drei großen Flughäfen Kretas. Früher ein Synonym für Chaos und lange Wartezeiten, ist der Flughafen in den letzten Jahren ausgebaut worden und überrascht (manchmal) sogar  mit, für griechische Verhältnisse, perfekter  Organisation. So erhielten wir bei einigen Ankünften (allerdings immer außerhalb der Hochsaison) bereits nach einer guten Viertelstunde unser Gepäck. Auch der Check-In beim Rückflug war bereits zwei Stunden vor dem Start möglich!

Seit man mit dem Gepäck noch ein zweites Mal an einem Extra-Schalter zum Durchleuchten anstehen muss, ist das Chaos jedoch wieder perfekt! Seit 2005 kann man im Abflugbereich sogar ins Internet. Hinten in der Nähe der Snack-Bar mit den „Apothekenpreisen“ für Baguettes und Sandwiches, befinden sich Terminals mit Flachbildschirmen, wo ein letzter Email-Gruß aus der Sonne Kretas verschickt werden kann. Für den letzten Frappé oder Souvlaki-Spieß empfiehlt sich jedoch immer noch eine der preisgünstigen Kantinas am Rande des großen Mietwagen-Parkplatzes, der ab und zu sogar teilweise zum Rummelplatz mit Riesenrad umfunktioniert wird.

Die Übersichtstafel mit den halbwegs realistischen Angaben zu den aber Jahr für Jahr kontinuierlich ansteigenden Taxipreisen befand sich übrigens im der alten Ankunfthalle, direkt neben den dort etwas versteckten Koffer-Trolleys. Eine detaillierte Tabelle mit Preisen ist übrigens (wie noch viele andere nützliche Tipps) im Info-Bereich der Kreta-Impressionen unter Infos zu finden.Mit dem Eintreffen der Hotel-Busse wird es meistens aber voll und chaotisch in der Abfertigungshalle und natürlich auch vor dem Flughafengebäude. Dort gab es zwar immer schon ausgedehnte Halteverbotszonen, diese werden nun aber auch kontrolliert … Ziemlich rigoros wird bei Mietwagen-fahrenden Touristen selbst der kurze Stop zum Entladen des Gepäcks von der Polizei zu unterbinden versucht, nach ein paar freundlichen erklärenden Worten aber meist geduldet.

Beeindruckende Cockpit-Aufnahmen – nicht nur vom Flughafen in Heraklion – findet man übrigens auf den Seiten von airphotos.gr, einer Sammlung von Luftbildern aus ganz Griechenland.

Busbahnhof A

(Fast) alle Wege auf Kreta führen nach Heraklion, und so laufen hier auch alle Buslinien der Insel zusammen. Von den Busbahnhöfen „A“ (unmittelbar am Fährhafen) und der Station „B“ (am Chania-Tor der alten Stadtmauer im Westen der Kernstadt) erreicht man mit den grünen, früher auch grün-weißen Bussen der staatlichen KTEL mehrmals täglich alle größeren Orte auf Kreta. Die auf der Internetseite und den Fahrplänen angegebenen Zeiten stimmen oft nicht genau, deshalb besser vor Ort nachfragen!

Von der Station „A“ fahren die Busse in den Osten Kretas ab, außerdem mindestens stündlich ein Bus über die New Road nach Rethimnon und Chania. Die Wartezeit kann man dort in einem kleinen Café überbrücken.Von der Station „B“ geht es hauptsächlich in das südliche Zentralkreta, z.B. nach Mires oder Matala. Zu erreichen ist dieser Busbahnhof auch mit dem blau-weißen Stadtbus der Linie 6 (auch vom Flughafen gibt es eine Busverbindung dorthin).

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