Zentral

Asomatos

Das Museum von Papa Michalis Georgoulakis

„Eine Jahrhundert-Geschichte aus Kreta“ ist auf dem Poster im Museumsshop zu lesen, und das ist wirklich nicht übertrieben. Was der im Oktober 2008 verstorbene Michalis Georgoulakis in seinem Leben sammelte, sprengt die Vorstellungskraft des staunenden Besuchers und jeglichen Rahmen „normaler“ Museen. Wie in Griechenland üblich stets nur „Papa Michalis“ genannt, trug der 1921 in Asomatos geborene Geistliche eine Unmenge an Sammlerstücken zusammen. Dabei reicht die Palette von Handwerker-Utensilien über Dinge des täglichen Lebens bis hin zu kirchlichen Gewändern oder historischen Fotos. Jedes Stück erzählt eine eigene Geschichte und gibt Einblick in die damalige Lebensweise, zeigt die Freuden und Nöte der Menschen in Kreta und Griechenland. Die ältesten Ausstellungsstücke wurden bereits von Michalis Vater Konstantinos gesammelt. Schon er war der Ansicht, dass man nichts wegwerfen dürfe, was sich vielleicht irgendwie und irgendwann noch als nützlich erweisen könnte.

Bis unter die Decke sind die Räume gefüllt mit allerlei Kuriositäten, aber auch nützlichen Gerätschaften wie Werkzeugen des Schusters, Kerzenziehers oder des einfachen kretischen Bauern. Direkt daneben finden sich Wasserpfeifen, Gewänder, Ikonen und historische Dokumente oder beispielsweise Schuhe, welche die Tochter von Papa Michalis bis zu ihrem 18. Lebensjahr trug … Katerina Hatzidakis, die Mutter von Papa Michalis, stammte übrigens aus der berühmten Hatzidakis-Familie aus dem Nachbardorf Mirthios.

Bekannteste Persönlichkeiten der Familie sind der Sprachwissenschaftler Giorgos Hatzidakis und Manos Hatzidakis, neben Mikis Theodorakis einer der berühmtesten Komponisten Griechenlands. Manos Hatzidakis hat unter anderem die Musik zu dem Film „Sonntags … nie!“ (Pote Tis Kiriaki) komponiert. Der Film mit Melina Mercouri, die auch den Titelsong „Ein Schiff wird kommen“ (Ta pedia tou Pirea) sang, gewann 1960 Griechenlands ersten Oscar für seine Titelmusik.

Die von Vater Konstantinos begründete und von Sohn Michalis fortgesetzte Sammelleidenschaft führte dazu, dass im Laufe der Jahre das Wohnhaus der Familie zum Museum wurde. Bei Bedarf wurde an- oder umgebaut, um schließlich auch für größere Stücke – wie den Webstuhl von Michalis Mutter Katerina – Platz zu schaffen.

Alle in diesem Raum zu sehenden Decken oder Tücher wurden übrigens von Katerina und ihrer Tochter auf dem dort präsentierten Webstuhl selbst hergestellt. Nebenan ist das ehemalige Büro von Papa Michalis zu bewundern, ebenso wie beispielsweise einen Raum weiter der Stuhl mit nur einer Lehne. Diese „Sonderkonstruktion“ bot dem darauf sitzenden Freiheitskämpfer den simplen aber effektiven Vorteil, aufgrund der fehlenden Lehne schneller an seine Waffe zu kommen und schießen zu können …

Das Museum ist ein lebendiges Stück Geschichte und wurde von Papa Michalis seit seinem 15. Lebensjahr bis zu seinem Tod am 4. Oktober 2008 ständig erweitert. Schwiegertochter Romi Zürcher, die schon zu Michalis Lebzeiten durch die Sammlung führte, und Sohn Giorgos Georgoulakis werden das Museum jedoch weiterführen.

Öffnungszeiten:
Mo.–Sa. von 10-15 Uhr

Eintritt:
Erw.: 2,50 Euro (2007)
Kinder (bis 16): frei

Wegbeschreibung:
Von der Hauptstraße RethimnonSpili über Koxare durch die eindrucksvolle Kourtaliotiko-Schlucht nach Asomatos.

Im Dorfzentrum der Beschilderung folgen, Eingang zum Museum südlich der Dorfstraße in einer parallel verlaufenden Gasse.

Gallery