Zentral

Amari-Becken

Tolle Fahrt zwischen Kedros und Psiloritis

Früher der direkte Weg von Rethimnon nach Agia Galini und weiter in die Messara-Ebene, liegt das Amari-Becken heute abseits der über Spili führenden Hauptroute zwischen Nord- und Südküste. Insofern ist der weitläufige, hügelige Talgrund ein Stück „unbekanntes“ Kreta geblieben, weitgehend unberührt vom Tourismus, mit einer originären Ursprünglichkeit. Ein Heer von Olivenbäumen, kleinen Weinfeldern und Obstplantagen prägt das Bild vor der mächtigen Kulisse des Psiloritis im Osten. Im krassen Gegensatz dazu stehen die abgelegenen Bergdörfer an den gegenüberliegenden Hängen des Kedros, der das Becken nach Westen hin begrenzt.

Über eine durchgängig asphaltierte und gut zu befahrende Straße ist das Amari-Becken ein lohnender Tagesausflug, wobei jedoch insbesondere für die Fahrt auf den kurvenreichen Strassen hoch oben am Kedros reichlich Zeit einkalkuliert werden sollte. Auch aus dem Norden von Rethimnon kommend ist die Tour (in Apostoli beginnend) möglich. Die schönere Variante ist jedoch eine Fahrt entgegen dem Uhrzeigersinn von Agia Galini oder Timbaki aus: Mit Blick auf den Psiloritis geht es zunächst in Richtung Platanos, vorher jedoch links ab nach Apodoulou.

Unterhalb des Dorfes findet sich eine spätminoische Siedlung aus der Zeit um 1350 v.Chr. (im Ort links abbiegen). Auf dem Weg dorthin ist rechter Hand auch ein Fahrweg zu der kleinen Kapelle Agios Georgios Xififorou ausgeschildert, deren schöne Innenfresken im Historischen Museum von Heraklion zu bewundern sind. Hinter Apodoulou liegt rechts oberhalb der Straße ein komplett erhaltenes minoisches Kuppelgrab (Tholos).

Kriechend gelangt man durch den niedrigen Eingang in der Böschung ins Innere der Grabkammer, die mit einer Kuppelhöhe von ca. zwei Metern auch mehreren Besuchern gleichzeitig Platz und zudem eine im Sommer angenehm kühle Innentemperatur bietet. Über Kouroutes und Fourfouras, welches sich auch als Startort für eine Besteigung des Psiloritis eignet, erreicht man Vizari, dessen benachbarter Stausee schon von weitem erkennbar ist.

In direkter Nachbarschaft des eingezäunten Wasserspeichers finden sich die Überreste der römischen Siedlung Ellenika. Verstreut zwischen Olivenbäumen liegen die Ruinen, gut erkennbar die Überreste einer Kirche mit dem Altarbereich und den tragenden Säulen. Durch weitläufige Olivenhaine und Weinfelder gelangt man nun über eine schnurgerade Allee von Eukalyptusbäumen und Bereiche mit uralten knorrigen Ölbäumen zum Kloster Asomaton. Die großräumige Anlage stammt aus dem 17. Jahrh. und wurde lange als Landwirtschaftsschule betrieben.

Mittlerweile weitestgehend verlassen, wird das Anwesen noch von einigen Bauern aus der Region genutzt. Einige Gebäude wurden aber bereits wieder restauriert. Mächtige Palmen säumen die Zufahrt. Die leerstehenden und teilweise verfallenen Gebäude der Anlage laden zu einer kleinen Entdeckungstour ein rund um den Brunnen im Innenbereich der Anlage, gegenüber der kleinen Kirche. Scheitelpunkt der Tour ist das Örtchen Apostoli. Hier endet das Amari-Becken. Blick man in nordöstlicher Richtung, so erkennt man die Asphalt-Straße über die Berge zum Kloster Arkadi, dem National-Heiligtum Kretas.

Über Meronas mit seinen hohen Platanen geht es weiter in das Zentrum des Obstanbaus des Amari-Beckens. Bereits in Meronas trifft man auf das erste der zahlreichen, in allen Bergdörfern des Kedros zu findenden Mahnmale, die an die von den deutschen Besatzern getöteten Einwohner erinnern sollen.
Selten passiert einmal ein Fahrzeug den Dorfplatz, der mit seinen Bäumen zur Rast einlädt. Ein Spaziergang lohnt: vorbei an der Wasserstelle, zumindest bis zum Kirchlein hinter der nächsten Straßenecke. Das Amari-Becken diente während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg immer wieder als Durchgangsregion für Partisanen und britische Agenten.

Vor allem in den einsamen Bergdörfern am Kedros war die Unterstützung der Bevölkerung groß. In der Nähe von Gerakari beispielweise versteckten sich 1944 die Entführer des deutschen Generals Kreipe. Aus diesem Grunde wurde der Ort von deutschen Truppen völlig niedergebrannt, alle Männer, die man fassen konnte, wurden erschossen. Gerakari wurde nach dem Krieg völlig neu aufgebaut.

Heute ist er das Zentrum des Kirschen-Anbaus auf Kreta. Bis dicht an die Straße drängen sich die Bäume mit ihren im Frühjahr leuchtend roten Kirschen. twas unterhalb des Ortes liegt die kleine gut 800 Jahre alte Kirche des Heiligen Ioannis Theologos. Leider war eine Besichtigung im Frühjahr 2001 nicht möglich. Der malerischen Bau mit den Resten von Wandmalereien im Innenraum war vom Einsturz bedroht und wurde grundlegend restauriert.

Gegenüber dem oberhalb der Straße liegenden kleinen Gemäuer animiert ein wunderbar schattiger Rastplatz zum einem Zwischenstopp. Auch im Juni 2002 waren die Restaurierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen oder weiter vorangeschritten. Die immer kurviger werdende Straße führt nun hinauf zu den Kedros-Dörfern wie Kardaki, Gorgouthi, Vrises und Ano Meros, in denen heute nur noch wenige, meist ältere Menschen leben.

Überall erinnern Gedenkstätten an das Massaker der Wehrmacht im August 1944 in diesen Dörfern, die damals tagelang brannten und dem mehr als hundert Einwohner zum Opfer fielen. Das größte Mahnmal findet sich in einer Straßenkehre kurz vor Ano Meros. Gegenüber bietet sich ein herrlicher Blick über das Amari-Becken und die im Frühjahr stellenweise noch schneebedeckten Höhen des Psiloritis.

Durch unzählige Kurven geht es nun weiter an den kargen Hängen des Kedros entlang und hinunter ins Tals des Platis, der gut 10 Kilometer weiter südlich unter der Brücke am Strand von Agia Galini ins Meer fließt. Nach Überqueren des Flussbettes steigt die Straße noch einmal an und erreicht schließlich den Startpunkt der Rundfahrt.

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