Westkreta

Chania

die „Perle“ im Westen

Von der Einwohnerzahl her zwar nicht die Nummer eins, ist Chania jedoch die vielleicht schönste Stadt auf Kreta. Bevor man diese Schönheit aber entdecken und genießen kann, gilt es zunächst einmal, sich in dem Verkehrsgetümmel der Innenstadt zu behaupten. Besonders auf zwei Rädern ist es immer wieder aufregend, sich durch die engen Straßenzüge zu schlängeln, bis man schließlich die Platia S. Venizelou erreicht, den zentralen Verkehrsknotenpunkt der Stadt.

Wo der deutsche Normal-Autofahrer allenfalls drei Fahrspuren erwartet, reicht es hier locker für fünf, manchmal lauern gar sechs Fahrzeuge nebeneinander vor einer roten Ampel. Geprägt wird die Platia S. Venizelou jedoch durch die kreuzförmige Markthalle und ihren Vorplatz. Von hier sind es Luftlinie nur noch 400 m bis zum alten venezianischen Hafen von Chania, dessen Promenade mit seinen zahlreichen Lokalen und Cafés schon für Alexis Zorbas immer einen Besuch wert war und auch heute noch zum „Muss“ eines Chania-Besuchs zählt.

Markthalle

Eine der touristischen Haupt-Attraktionen von Chania ist die Markthalle an der Platia Venizelou. Nach dem Vorbild der Hallen in Marseille wurde das kreuzförmige Gebäude 1913 nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt. Obwohl das Angebot dort in den letzten Jahren immer mehr touristisch ausgerichtet wurde, lohnt ein Besuch allemal.
Vor allem in der West-Ost-Achse der Halle finden sich immer noch die Stände der Fisch- und Fleischverkäufer.

Wer einmal wirklich original kretisch und dazu noch sehr lecker und preiswert essen möchte, dem sei ein Besuch einer der kleinen Tavernen oder Garküchen dort empfohlen.
Auf Eis gelagert präsentiert sich dem Marktbesucher ein reichhaltiges Angebot an Fisch und Meeresfrüchten. Hier lohnt ein Besuch besonders in den früheren Morgenstunden, denn gegen Mittag ist das Eis naturgemäß ebenso sehr geschmolzen wie das Angebot. Frischer Fisch wird hier auch schon mal quer durch die Stadt mit dem Pickup angeliefert. Der Schnappschuss rechts gelang nach einer Fahrt quer durch den dicksten Mittagsverkehr auf dem kleinen Parkplatz hinter der Markthalle.

Östliche Altstadt

Verlässt man die Markthalle durch den hinteren Ausgang, bietet sich ein Spaziergang in östlicher Richtung zum Fischer- und Yachthafen an. Zahlreiche Geschäfte und Boutiquen laden zu einem Shopping-Bummel ein. Durch enge Gassen geht es weiter in nordöstlicher Richtung zu den ehemaligen venezianischen Arsenalen, in denen heute Veranstaltungen stattfinden. Von hier aus bietet sich ein Gang über die lange Mole bis zum Leuchtturm an der Hafeneinfahrt an. Den Rückweg von der Spitze der Mole kann man an den Ruinen des alten Forts abkürzen:

Der Betreiber der  Taverne bietet einen Fährservice hinüber zum Fischerhafen an.Oberhalb auf dem Hügel, der früher von einer Mauer umgeben war, standen damals der Rektorenpalast und andere repräsentative Bauten.Auf die Ruinen dieser Befestigungsanlagen sind in den Jahren neue Häuser gebaut worden, teilweise bildet die alte Mauer gleichzeitig die Außenwand. An der Stelle des Palastes findet sich heute die Techn. Fakultät der Universität Chania. Nach dem Aufstieg dorthin durch das „Gewirr“ des Viertels bietet sich ein schöner Ausblicks auf Hafen und Altstadt.

Venezianischer Hafen

Zu Füßen des Hügels, am östlichen Rand des venezianischen Hafenbeckens, liegt die ehemalige „Hassan-Pascha-Moschee“,  auch „Janitscharen-Moschee“ genannt. Sie wurde nach der türkischen Eroberung im 17. Jahrhundert errichtet. Von hier aus reiht sich Taverne an Taverne rings um das Hafenbecken bis zu dessen westlichem Ende gegenüber dem Leuchtturm an der Hafeneinfahrt.

Immer näher drängen sich die Tische an das Wasser heran und lassen in der Hochsaison kaum noch Platz für die vorbeiflanierenden Touristen, für die ein Bummel auf der Hafenpromenade, die auch nachts eine imposante Kulisse bietet, natürlich zum Pflichtprogramm gehört. An der Hafeneinfahrt selbst liegt das Nautische Museum, untergebracht im Fort Firkas. Dessen Befestigungsanlagen mit Zinnen und Turm wurden zunächst als Kaserne, später als Gefängnis benutzt und gestatten einen schönen Blick auf Hafen und Altstadt.

Westliche Altstadt

Vom Fort Firkas mit dem Nautischen Museum  gegenüber dem Leuchtturm erstreckt sich hinter der Häuserfront des venezianischen Hafens der wohl schönste Teil der Altstadt. Gerade in den letzten Jahren wurden hier viele Gebäude renoviert und liebevoll restauriert. Restaurants und Tavernen, Bars und viele interessante Shops finden sich sowie auch Unterkünfte aller Kategorien bis zum luxuriösen venezianischen Palazzo. So finden sich wahre Schmuckstücke in den engen autofreien Gassen im Schatten der alten venezianischen Schiavo-Bastion und der sich anschließenden Stadtmauer. Einer der Höhepunkte eines abendlichen Besuches dort ist sicherlich ein romantisches Essen mit Tischmusik unter freiem Himmel in den Ruinen eines alten venezianischen Palazzos … Ein anderes besonderes Erlebnis hatten wir im Mai 2005: einen Regentag in Chania!

Impressionen

Ledergasse

In jedem Reiseführer erwähnt ist neben der Markthalle auch die Ledergasse. Leider ist sie mittlerweile einfach nur noch eine Anhäufung von fast beliebig auswechselbaren Souvenirshops, wie sie überall auf der Insel zu finden sind. Mittendrin befand sich jedoch 2004 noch die Schuster-Werkstatt des zwischenzeitlich leider verstorbenen Yioannis Markoulakis, dem wohl damals schon letzten Schuhmacher in Chania. Schon draußen bot sich ein fast schon nicht mehr überschaubares Angebot von handgefertigten (und bequemen) Sandalen aus Leder in verschiedensten Ausführungen und Größen. Drinnen setzte sich das „geordnete Chaos“ fort …

Mittendrin zwischen all den persönlichen Andenken und Fotos, in der hintersten Ecke des engen Lädchens, thronte Meister Yioannis auf seinem Schemel und bearbeitete mit der groben Schere die Lederstücke, aus denen später das Schuhwerk entstand. Sogar ein paar Brocken Deutsch sprach er, unterbrach gerne für einen Moment die Arbeit und freute sich über einen netten kleinen Plausch. Danke an dieser Stelle für die Dolmetscher-Dienste seiner Tochter, die eigentlich an der Uni in Chania beschäftigt ist, ab und zu aber im Laden aushalf …

Lesertipps

Leserbeitrag von Walter:

„Nehmen sie den öffentlichen Bus (Haltestellen finden Sie überall, Busfahrplan und -info gibt’s bestimmt auch in Ihrem Hotel)! Fahren Sie – wenn Sie von Westen kommen – bis zum Busbahnhof in Chania, dann nach rechts und bei der nächsten Ampel nach links, Richtung Venezianischer Hafen. Natürlich sollte man sich die phantastische Stimmung und Atmosphäre nicht entgehen lassen. Nehmen Sie in den Lokalen rechts des Hafens, Akti Tombazi, einen Drink vor dem Essen. Es lohnt sich, den beleuchteten Hafen in der Abendstimmung zu genießen! Die Restaurants direkt am Hafen sind erstens teurer und vom Essen wollen wir nicht sprechen; außerdem finde ich die Fotos mit den diversen Speisen fast schon geschmacklos.

Da lohnt viel mehr ein Geheimtipp, den ich von Einheimischen bekommen habe: die Fischtaverne Tsalikis, Neo Chora, am Ende der Selinou-Straße. Etwas abgelegen, direkt am Meer, vorwiegend von Einheimischen besucht. Sie fahren vom Stadtzentrum die Hauptstraße Richtung Agia Marina (Kissamou-Straße), zweigen dann schräg nach rechts ab und treffen direkt auf die Selinou-Straße.

Fahren Sie bis zum Ende dieser Straße. Keine sehr einladende Gegend, aber rechts sehen Sie eine große Baulücke, wo sie das Auto abstellen können. Rechts in der Ecke befindet sich das Fischrestaurant. Sehr nette Bedienung, leider spricht man nur griechisch, doch zum Essen bestellen reicht es. Sollten Sie Fisch vom Grill wollen, brauchen Sie viel Geduld, er wird meistens erst in Betrieb gesetzt. Doch das Warten lohnt sich. Sehr gute Weine werden angeboten. Probieren Sie es doch einmal, denn Einheimische essen meist in einem guten Lokal.

Zum Abschluss meines Berichtes möchte ich Sie noch auf das kleine aber sehr seriöse Schmuckgeschäft Tserkakis, Mussuron-Gasse 32, aufmerksam machen. Die Auswahl ist nicht sehr groß, aber ein paar Ohrringe oder einen kleiner Ring zu vernünftigen Preisen werden sie sicher finden. Der Besitzer spricht ganz gut englisch und kommt Ihnen auch bei Zahlung mit Kreditkarte mit 10 % Rabatt entgegen. Ein seriöses Geschäft, hier kaufen auch Einheimische. Meiden Sie die Geschäfte in den Touristen-Gassen, sie bieten große Rabatte, die sie schon vorher draufgeschlagen haben. Sie gehen bis zur Markthalle, vor dem Haupteingang gehen Sie links bis zur nächsten Kreuzung, überqueren diese und gehen die nächste kleine Gasse nach rechts. Das kleine Geschäft ist dann wenige Schritte auf der linken Seite. Übrigens, wenn Sie die Straße weiter hinunter gehen, kommen Sie wieder zum alten Hafen.“

Leserbeitrag von Dieter:

„Chania ist nach unserem Geschmack die schönere der Großstädte auf Kreta und einen Besuch mit Übernachtung wert. Um den venezianischen Hafen sitzt man sehr romantisch und auch die Altstadt ist sehr schön wieder hergestellt. Man sollte sich die Übernachtung im „Casa Delphino“ gönnen (50-75 €). Einen unterhaltsamen Abend verbringt man bei Livemusik bei „To Xani“ (=die Herberge).“

„Und sonst noch …“

Am Grabmal von Eleftherios Venizelos und seines Sohnes Sofoklis im Osten Chanias – hoch über der Stadt – steht auch das Standbild des berühmten Freiheitskämpfers Spiros Kagiales. Von hier bietet sich ein toller Blick über die Stadt und die dahinterliegende Küste in Richtung Westen. Bei klarem Wetter sind die Feriengebiete wie Agia Marina und Platanias noch gut zu erkennen und der Blick reicht bis zur Rodopou-Halbinsel bei Kolimbari.

Im Westen, an der Ausfallstraße nach Platanias und Maleme findet sich diese „Freie Tankstelle“. Direkt gegenüber beginnen Kinderaugen (und nicht nur die) zu leuchten: Spielwaren ohne Ende gibt’s im JUMBO, dem griechischen Pendat zu Toy’R’Us … Nunmehr seit vielen Jahren in Betrieb sind die neuen Flughafengebäude auf der Akrotiri-Halbinsel, die den Wandel des ehemals rein militärischen Stützpunktes zu einem Touristen-Airport belegen.

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