Westkreta

Agia Irini Schlucht

Mit der engsten Stelle Kretas …

„Die Irini-Schlucht war für uns eher ein Zufallstreffer. Wir hatten einen Ausflug gebucht, in dem eine Schluchtenwanderung und eine Radtour mit enthalten waren. Und die Schlucht war eben die Irini-Schlucht, und die hat sich wirklich gelohnt! Die Wanderung beginnt bei dem kleinen Dorf Agia Irini, zu erreichen von Chania aus über Skines, Prasses in Richtung Sougia. Von der Strasse führt ein Weg hinunter zu einer Art Kiosk, wo im Schatten riesiger Olivenbäume Tische und Stühle aufgebaut sind. Hier kann man sich noch einmal mit Erfrischungen eindecken oder einen Kaffee trinken, bevor es in die Schlucht geht.

Der Eingang wird von zwei „Schluchtenwärtern“ bewacht, die an einem kleinen Tischchen sitzen und 1,50 Euro Eintritt pro Person nehmen. Danach beginnt die Wanderung auf einem schönen Waldweg, umringt von hohen Bäumen, die wunderbaren Schatten spenden. Wir hatten (Ende September) angenehme Temperaturen und die Luft war einfach traumhaft frisch. Zwischendurch liegen mal ein paar kleine Steinchen auf dem Weg, aber der Einstieg ist wirklich einfach. Auf dem sich langsam nach unten neigenden Weg begegneten uns immer wieder Ziegen, die schon von weitem durch ihre Glöckchen zu hören waren. Erstaunlicherweise tummelten sich diese nicht nur am Boden, sondern auch in mannsgroßen Bäumen auf dünnen Ästen. Das war ein sagenhafter Anblick.

Die Tiere sind auch nicht allzu menschenscheu. Sie machen lediglich Platz, wenn ein einsamer Wanderer kommt. Denn wenn man nicht gerade wie wir mit 14 Leuten in einer Gruppe läuft, ist die Schlucht wirklich einsam. Unterwegs trafen wir zwei Wanderer, die Flora und Fauna genauer unter die Lupe nahmen, und während einer Rast wurden wir von einer kleinen Gruppe Franzosen überholt. Ansonsten absolute Ruhe und wunderbare Einsamkeit, einfach herrlich! Die Begehung ist übrigens auch mit normalen Turnschuhen möglich, aber wir fanden unsere Wanderschuhe im Nachhinein sehr praktisch. Wasserflaschen kann man an drei Stellen nachfüllen (Wasserhähne an den Rastplätzen), sogar zwei saubere (!) Toiletten mit fließendem Wasser und frischem Toilettenpapier gibt es dort.

Auf unserer ersten Station halten wir an einer kleinen Kapelle. Diese Kapelle ist eigentlich ein Felsbrocken, der irgendwann mal von oben in die Schlucht gefallen ist. Aber da der Brocken aussieht, wie ein kleines Haus, hielt dies jemand für ein Zeichen und machte eine Kapelle daraus. In der Schlucht gibt es viele Pflanzenarten, die auf Kreta einzigartig sind. Eine davon ist ein Kraut, das an den Felswänden wächst. Dieses Kraut hilft bei Wunden. Es wurde entdeckt, weil Ziegen das Kraut zerkauten und danach ihre offenen Wunden leckten.

Wie das Kraut heißt weiß ich leider nicht mehr, aber außerdem gibt es dort jede Menge echten und falschen Salbei. Stellenweise kann man die Büsche wirklich riechen, bevor man sie sieht. Der echte Salbei hat kleinere, dunklere Blätter und ist der Salbei, den wir auch kennen. Der falsche Salbei ist heller und wurde früher in Öl schwimmend als Lampe verwendet. Durch die dicke, ölhaltige Schicht der Blätter funktionierten diese wie ein Docht und brannten recht lange. Aber ich komme von der Wanderung ab … Nachdem man dem Waldweg eine Weile gefolgt ist, geht es nun tiefer in die Schlucht hinein. Dazu folgt man einem am Berg angelegten und mit Geländer versehenen Serpentinen-Weg nach unten.

Diesen Pfad sollte man allerdings nicht unterschätzen. Nicht wegen der Anstrengung (auch wenn das auf die Knie geht), sondern weil die kleinen Geröllsteine den Weg stellenweise rutschig werden lassen und schon mal Steinchen „fliegen gehen“ können beim Laufen. Aber wir sind alle sicher unten angekommen. Im „Talgrund“ der Schlucht geht es dann über Geröllsteine auf einem markierten Weg weiter, den man eigentlich nicht verpassen kann. Er ist immer wieder gekennzeichnet und die Schlucht ist nicht so breit, als dass man einen anderen Weg finden würde. Der Weg selbst ist wunderschön, die Felsen sind leicht zu laufen. Zwischendurch überquert man ein Flussbett, das wohl im Winter relativ voll sein soll.

Unser Führer erzählte uns, dass man dann dort richtig durchwaten muss und er die Schlucht so nicht durchwandert. Zu unserer Jahreszeit gab es hier jedoch keinen „Fitzel“ Wasser im Flussbett. Ab und zu hörten wir zwar an den Felswänden ein leichtes Plätschern, aber gesehen haben wir nichts. Die Felswände gehen in der Schlucht rechts und links relativ steil nach oben und sind sehr oft bewaldet und grün. Das ist wirklich ein schöner Anblick und die Luft ist voll von den Gerüchen nach Salbei und Wald. Richtig erholsam. Zwischendurch geht es mal ein Stück wieder nach oben. Aber das ist wirklich nicht der Rede wert und die Felsen sind gut zu bewältigen. Ansonsten geht der Weg über Felsbrocken und große Steine. Dazwischen ist immer mal wieder Waldweg mit kleinen Steinchen.

Irgendwann kommt man an eine engere Stelle, in der man an einem großen Felsbrocken vorbei runter klettern muss. Ist aber nicht schwierig. Laut unserem Führer ist das hier „die engste Stelle Kretas“. Die Schlucht endet dann, wenn man nur noch durch das Flussbett waten kann. Anschließend führt ein Weg aus der Schlucht hinaus auf eine Strasse. Wenn man sich hier nicht abholen lässt,  muss man entweder dem Flussbett bis zum Meer (also hindurch) oder der Strasse folgen. In beiden Fällen kommt man nach Sougia. Dort bot sich uns das Lybische Meer mit einem sagenhaften Sonnenglitzern, einfach herrlich! Direkt am Meer liegen einige Tavernen, in denen man sehr gut essen kann. Wir waren in der Taverne auf der Ecke, hinter der zwei Postkartenläden liegen. Das Essen war wirklich gut.

Die Irini-Schlucht ist wirklich ein Erlebnis und auch mit Kindern einen Ausflug wert. Insgesamt ist die Schlucht ca. 7 km lang und wir haben etwa 3 ½ Stunden gebraucht, einschl. kleiner Erklärungs- und Verschnaufspausen. Unser Tag endete damit, dass wir mit dem Bus wieder hinauf fuhren bis zum Aussichtspunkt und von dort mit den Mountainbikes die Strasse Richtung Chania runterfuhren (durch Prasses). Einfach ein tolles Erlebnis, es lohnt sich!“

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