Ostern

Griechenland-Touristen können 2006 zwei Mal Ostern feiern

Von Takis Tsafos, dpa

Wer im April nach Griechenland reist, kann gleich zwei Mal Ostern feiern: im katholisch-evangelischen und im orthodoxen Stil. Die orthodoxen Kirchen halten in Zusammenhang mit Ostern am julianischen Kalender fest. Ostern wird am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond des Frühlings gefeiert. Da für den julianischen Kalender der Frühling nicht am 21. März, sondern 13 Tage später als im gregorianischen Kalender beginnt, fällt der Ostersonntag dieses Jahr auf den 23. April.

Der Besucher muss sich auf einiges gefasst machen, wenn er griechische Ostern mitfeiern will. Während der gesamten Osterwoche werden in allen Kirchen Messen zelebriert, die mehrere Stunden dauern. Dabei werden die letzten Tage des Lebens Jesu vom Palmsonntag bis zur Kreuzigung und der Auferstehung bildlich nachgestellt. "Es ist, als ob landesweit Festspiele im Freien und in den zahllosen Kirchen ausgetragen werden. Es ist eine Art religiöses Megatheater an dem alle Orthodoxen teilnehmen", sagt Vater Stelios, Probst einer Kirche im Athener Stadtteil Patissia.

Am Gründonnerstag findet mit fast vier Stunden Dauer eine der längsten Messen der orthodoxen Kirche statt. Dabei werden alle Lichter gelöscht, ein großes Kreuz wird in absoluter Stille durch die Kirche getragen. Viele Besucher beschreiben dieses Ereignis als "bedrückend und manchmal auch Furcht erregend". Am Karfreitag folgt eine Prozession durch die Straßen der Gemeinde. Selbst weltlich orientierte Menschen gehen zur Osterzeit in die Kirche. Die Feiertage werden mit der Familie verbracht.

"So wie in Deutschland zu Weihnachten", erklärt Georgios Psaropoulos. Der Rentner hat 30 Jahre lang in Hamburg gearbeitet und ist vor drei Jahren nach Griechenland zurückgekehrt. Millionen Griechen strömen an diesen Tagen zurück in ihre Geburtsorte, um dort Ostern zu verbringen. Dabei wird gefastet, von Tag zu Tag strenger. Strenggläubige fasten schon 40 Tage vor Ostern. Die Mehrheit aber beschränkt sich auf die Karwoche, die in Griechenland "Große Woche" genannt wird. Am Montag, Dienstag und Mittwoch vor Ostern wird kein Fleisch gegessen. Von Gründonnerstag wird auch kein Öl mehr zu sich genommen. Am Karfreitag wird auf alles verzichtet, was mit Genuss und Vergnügen zu tun hat. Am Samstag um Mitternacht dann die Erlösung, die Priester verkünden: "Christus ist auferstanden." "Er ist wahrhaftig auferstanden", erwidern die Gläubigen. Dazu wird ein großes Feuerwerk gezündet. Unwissende Touristen könnten den Eindruck gewinnen, die Griechen begrüßen ein neues Jahr.

Am Ostersonntag wird gefeiert: Es wird Lammfleisch am Spieß gegessen und Rotwein getrunken. Der Schmaus geht mit Gerichten weiter, die nicht jedermanns Geschmack sind, darunter das "Kokoretsi", das aus Innereien und dem Darm von Lämmern besteht. Oder die "Mageiritsa", eine Innereien-Eier-Suppe, die für westliche Nasen häufig eigenartig riecht.

Jeder Fremde, der vorbeikommt, wird eingeladen. An diesem Tag des Jahres darf niemand allein sein, so will es die Tradition. Auch Ostereier gibt es in der orthodoxen Tradition. Die in der Regel rot gefärbten, hart gekochten Eier kommen auf den Oster-Tisch. Der abgerundete Teil des Eis heißt "Hintern", der etwas spitzere Teil "Nase". Nase gegen Nase und Hintern gegen Hintern wird dann angestoßen. Wessen Ei dabei heil bleibt, der wird nach dem Volksglauben "Glück und Freude" haben.