Der deutsche Überfall im Mai 1941
Nachdem
im November 1940 - als Folge des italienischen Angriffs auf das griechische
Festland - britische Luftwaffen- und Heeresverbände auf Kreta
landeten, um die bis dahin unbesetzte Insel zu einem britischen Stützpunkt
auszubauen, wurden die deutschen Planungen zur Eroberung Kretas konkreter.
Dies vor allem, weil die Italiener in Griechenland und auch in Nordafrika
empfindliche Niederlagen einstecken mussten, die für die Deutschen
hinsichtlich ihrer Kriegsplanung einen Unsicherheitsfaktor innerhalb des
Vorhabens "Barbarossa" darstellten. So sollte die Einnahme Kretas
"nur" der Sicherung der süd-östlichen Flanke für den geplanten
Überfall auf die Sowjetunion dienen, die Insel als "Stützpunkt für
die Luftkriegsführung gegen England im Ost-Mittelmeer" besetzt
werden.
Bis
zum Mai 1941 gelang es den Briten, Kreta zumindest zu einem nutzbaren
Flottenstützpunkt auszubauen. Unter dem Kommando des neuseeländischen
Generals Freyberg bildeten
ca. die ca. 8500 Engländer, die im November nach Kreta gekommen waren, die
Basis des Unternehmens "Cre-Force", die Verteidigung Kretas.
Hinzu kamen noch etwa 20.000 Soldaten, die auf dem Rückzug vom Festland
nach Ägypten auf Kreta auf ihren Weitertransport warteten. Diese Truppen
waren zwar gut ausgebildet, jedoch von den vorangegangenen Kämpfen auf dem
Festland geschwächt und zudem schlecht ausgerüstet. Fatal war außerdem,
dass die britischen Bodentruppen keinerlei Luftunterstützung zu erwarten
hatten, da die sieben noch intakten Flugzeuge aus Furcht vor weiteren
Verlusten durch deutsche Bomben am 19. Mai nach Ägypten abgezogen worden
waren.
Am
Morgen des 20. Mai 1941 wurde die erste Welle von Angreifern gegen den
Westteil Kretas - speziell gegen den Flugplatz Maleme,
Chania und die Souda Bucht
- geflogen, nachdem die Landungen zuvor durch
starke Bombardierungen vorbereitet worden waren. In den folgenden Tagen
leisteten griechische, britische, neuseeländische und australische
Soldaten sowie kretische Zivilisten den Deutschen erbitterten Widerstand.
Die Kämpfe waren zunächst sehr wechselvoll und für beide Seiten
äußerst verlustreich.
Den
Deutschen gelang es anfangs nicht, den für den Nachschub an Truppen und
Material dringend benötigten Flugplatz bei Maleme
zu erobern, was zu enorm hohen Verlusten
unter den Fallschirmjäger-Truppen führte. Waffen und Munition wurden in
Tonnen separat abgeworfen und oft gar nicht mehr erreicht. In den deutschen
Medien wurde während der ersten Kampftage nichts über das Unternehmen
"Merkur" berichtet, erst am 25. Mai gelangten erste (Erfolgs-)
Berichte an die (deutsche) Öffentlichkeit.
Nach
und nach gewannen die Angreifer jedoch die Oberhand und als am 28. Mai auch
im Osten der Insel ein mit Artillerie und Panzern verstärktes
italienisches Regiment landete, wurde seitens der Briten die Evakuierung
Kretas angeordnet, da aufgrund der unzulänglichen Ausrüstung der
Cre-Force-Truppen "weiterer Widerstand als sinnlos angesehen werden
müsse".
Dieser
Rückzug ging von der Südküste Kretas aus. Die Einschiffung der Soldaten
war wegen fehlender größerer Häfen äußerst zeitaufwendig und
mühselig, klappte unter den gegebenen Umständen allerdings relativ
reibungslos. Der britische Rückzug - in teilweise endlosen,
mühevollen Märschen durch die Berge - wurde trotz der deutschen
Luftherrschaft kaum gestört. Auch dem griechischen König Georg II., der
mit seiner Familie und der griechischen Regierung im April nach Kreta
geflohen war, war ein weiterer Aufenthalt auf der Insel zu unsicher
geworden. Er hatte sich bereits in der Nacht zum 23. Mai von Agia
Roumeli aus nach Alexandria eingeschifft.
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