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Auch im Urlaub
lässt sich der Blick auf die Umweltsituation des besuchten Landes nicht immer vermeiden.
Kreta entwickelte sich in den letzten zwanzig Jahren zu einem der großen südeuropäischen Reiseziele, mit fast unendlichen Hotelanlagen vor allem an der Nordküste. Dies allein, mit dem entsprechendem Ausbau der Infrastruktur, bedeutet einen riesigen Naturflächenverbrauch der Insel. Und es wird weitergebaut.
Wie viel verträgt die Insel noch? Wann ist der Punkt erreicht, an dem nicht mehr genug vom Reiz und der Schönheit der Insel übrig ist?
Es scheint, dass man immer noch an eine weitere Expansion denkt. Überall sind neue Hotelanlagen in Bau - auch an bislang unberührten, völlig abseits gelegenen Küstengegenden. Man fragt sich, ob wirklich immer mehr Touristen kommen werden, wo doch in allen Urlaubsländern die Kapazitäten wachsen und die Menschen wohl nicht immer mehr und länger Urlaub machen können.
Bislang
fließen die EU-Gelder großzügig auch in den Straßenbau. Straßen werden angelegt oder verbreitert, ohne dass man sich wirklich um den Bedarf kümmert. Wilde Trassen fressen sich in die Landschaft, verlaufen nicht selten im Nichts. So leicht wirkt hier das Land aufgerissen, verletzt; nackte rote, gelbe Erde. Es dauert lange, bis sie wieder zuwächst.
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Durch kaum mehr vorhandene Wälder wird die Bodenerosion begünstigt. Im Winter und Frühjahr spülen starke Regenfälle das Erdreich fort, Sturzbäche reißen Schneisen in die Landschaft. Waldbrände, gezielt angelegt, um Vorteile für Bebauungen zu erlangen oder durch Nachlässigkeit verursacht, fördern die Verwüstung. Schafe und Ziegen
fressen nachwachsendes Buschwerk ab. Große Neupflanzungen von Olivenbäumen in Monokultur tragen über die starke Bewässerung dazu bei, dass der Grundwasserspiegel sinkt und Flussläufe austrocknen. Großzügiger Pestizid- und
Herbizideinsatz besonders in den Gemüsetreibhäusern belastet Boden und Wasser.
Ein großes Problem stellt auf Kreta der Umgang mit Abfall dar. Schluchten und trockene Flussbette müssen als Mülldeponien herhalten. Der Müll wird oft in Brand gesetzt, ungeachtet dessen, dass damit giftige Chemikalien freigesetzt werden. Die Überlandstraßen werden von einem Band von Abfällen begleitet - Kühlschränke, Autoteile, Plastik- und Haushaltsmüll jeglicher Art.
Besonders auffällig sind die überall herumliegenden Plastikwasserflaschen - am Strand, in Büschen und Felsspalten.
Es gibt für Wasserflaschen kein Pfand, keine Rücknahme, also werden sie irgendwo entsorgt. Es fehlen Kläranlagen, das heißt, Abwässer fließen vielerorts ungeklärt ins Meer oder in den Boden.
Bei all diesen Problemen sind EU, griechische Regierung, Regionalinstitutionen, Hotelbetreiber, die kretische Bevölkerung und nicht zuletzt die Touristen gefragt, etwas zu unternehmen. An die erste Stelle muss man hier wohl
Bewusstseinsbildung setzen.
Als urlaubender Besucher, also Gast auf der Insel, hat man eine gewisse Verantwortung. So kann man durch sein Verhalten dazu beitragen, Natur und Schönheiten der Insel zu erhalten. Zum Beispiel durch
bewussteres Autofahren - schließlich trägt der vermehrte Autoverkehr zu weiterem Straßen(aus)bau, Lärm und Emissionen bei (reicht es doch schon, was die Flugzeuge verursachen, mit denen wir alle kommen). Mit den öffentlichen Bussen kann man alle großen und viele kleine Orte erreichen. Das geht natürlich manchmal etwas langsamer. Aber so bekommt man auch viel mehr von Land und Leuten mit.
In vielen Orten, besonders in den Bergen und an der Südküste, ist das Wasser von ausgezeichneter Qualität. Dies
lässt sich feststellen und so kann man die Plastikflasche an den Wasserhähnen auffüllen.
Eine positive Initiative der Hotelgruppe Grecotels sei hier erwähnt. Die Betreiber haben vielfältige Aktivitäten zum Umweltschutz gestartet: Es werden Solaranlagen und biologische Kläranlagen gebaut sowie Energiesparmaßnahmen eingeführt (z.B. bittet man die Hotelgäste, auf täglich frische Handtücher zu verzichten).
Auf dem Programm stehen Müllreduzierung durch Vermeidung von Einwegverpackungen, Schulung des Personals und Aufklärung auch außerhalb der Hotelanlagen.
Auch andere Tourismusunternehmen schreiben Umweltengagement in ihr Unternehmensprofil. Hervorzuheben ist hier der Schweizerische Reisebüro-Verband, dessen Mitglieder sich in einer "Erklärung von Kreta" (!) verpflichten, den umfangreichen Maßnahmenkatalog in ihren Hotels in den Urlaubsländern umzusetzen.
Dies soll hier kein harsches Besserwissen sein, keine Einmischung, sondern eben ein Aufzeigen der weniger positiven Seiten neben den Schönheiten der Insel und damit zu einem realistischen Bild beitragen.
Epilog:
Es war einmal ein wunderschöner Strand, der vom Ort aus nur durch einen einstündigen Fußmarsch oder mit einem Boot zu erreichen war. Dann sprengte man Felsen und baute eine Straße. Nun fahren viele Leute mit dem Auto dorthin.
Der Grundbesitzer planierte die Hügel hinter dem Strand und legte Wiesen an - denn wenn er drei Jahre Landwirtschaft betrieben hat, darf er hier auch eine Hotelanlage
bauen: Anidri Beach/Paleochora
Eva Schuhbeck |